Action, Adrenalin und Risiko: wie professionelle Action-Buchungen wirklich funktionieren

Wie ich als Sportmodel und Stunt-Performer mit Risiko umgehe: die Risiko-Matrix, der Ablauf eines Action-Drehs, Sicherheit, Versicherungen – und ein Praxisbeispiel vom Eddie-the-Eagle-Stunt.

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Tobi Deckert

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Vor der Kamera extremen Sport darzustellen sieht waghalsig aus – ist es aber nicht, wenn es richtig gemacht wird. Hinter der Action stecken jahrelange Erfahrung, systematisches Training und ein sehr nüchterner Umgang mit Risiko. Wer Action bucht, will vor allem eines wissen: dass sie sicher und zuverlässig abläuft. Genau dafür nutze ich eine Risiko-Matrix – hier ist sie:

Vor der Kamera extremen Sport darzustellen sieht waghalsig aus – ist es aber nicht, wenn es richtig gemacht wird. Hinter der Action stecken jahrelange Erfahrung, systematisches Training und ein sehr nüchterner Umgang mit Risiko. Wer Action bucht, will vor allem eines wissen: dass sie sicher und zuverlässig abläuft. Genau dafür nutze ich eine Risiko-Matrix – hier ist sie:

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The risk matrix
Severity of outcome
Insignificant
1
Minor
2
Significant
3
Major
4
Severe
5
Almost certain
5
Medium
5
High
10
Very high
15
Extreme
20
Extreme
25
Likely
4
Medium
4
Medium
8
High
12
Very high
16
Extreme
20
Possible
3
Low
3
Medium
6
Medium
9
High
12
Very high
15
Unlikely
2
Very low
2
Low
4
Medium
6
Medium
8
High
10
Rare
1
Very low
1
Very low
2
Low
3
Medium
4
Medium
5
Probability
Green · routinebruisesski carving · wingfoiling · cycling
Yellow · minorgrazes, small injuriesspeedriding in good wind
Orange · seriousbigger injuries, fractureskite action (condition-dependent)
Red · not approvedsevere, irreversible (e.g. broken neck)big cliff drop with too little snow · flying in föhn wind · kitesurf in wrong current / reefs

The same activity moves through the zones depending on conditions — weather, surface, light and daily form shift the rating.

action-adrenalin-risiko-so-funktionieren-buchungen

Die Risiko-Matrix: was ein Stunt kostet – und warum

Die Matrix bildet zwei Achsen ab – die Wahrscheinlichkeit, dass etwas schiefgeht, und die Schwere möglicher Folgen. Aus beidem ergibt sich eine Zone: Grün ist Routine, Gelb und Orange brauchen mehr Vorbereitung, Rot wird entweder nicht freigegeben oder nur unter maximalen Vorkehrungen und entsprechend vergütet. Das Werkzeug beeinflusst auch die Buchung: Je schwieriger ein Stunt, desto teurer wird er meistens – nicht nur wegen des Risikos, sondern vor allem wegen der Vorbereitungszeit und dem Training, das man vorher hineinstecken muss.

Wichtig ist: Dieselbe Aktivität wandert je nach Umständen durch die Zonen. Radfahren ist grün – bei Regen und rutschigem Untergrund steigt das Risiko. Auch das Licht spielt mit: Outdoor-Shots will man oft im flachen Licht bei Sonnenauf- oder -untergang – die Bilder werden emotional und schön, aber die Sicht wird schlechter und das Risiko steigt. Wetter, Untergrund, Licht, Tagesform – all das verschiebt die Einordnung. Genau deshalb wird jede Szene einzeln bewertet, nicht pauschal.

Vom Laufenlernen aufs Sportgerät

Dass ich das so nüchtern einschätzen kann, hat einen Grund. Ich durfte als Kind das Skifahren gleichzeitig mit dem Laufen lernen und viele Sportarten erlernen – im Wasser, im Schnee und in der Luft. Was mich am meisten reizt, ist die Physik: der Umgang mit Wind, Kräften und Geländeformen. Sport und der damit verbundene Adrenalinausstoß sind ein wichtiger Motor in meinem Leben. Das ist kein Widerspruch zu meinem Geschäftsleben, sondern eine Parallele: Auch dort geht es darum, mit einem planbaren Risiko bestmöglich umzugehen.

Wenn das Sportgerät Teil des Körpers wird

Hinter jeder sauberen Action-Aufnahme steckt jahrelanges Training. Es braucht gute Fitness und vor allem das echte Beherrschen des Sportgeräts. Ab einer gewissen Stundenzahl wächst das Gerät an einen heran – es fühlt sich an, als wäre es Teil des Körpers. Genau dann hat man die maximale Freiheit, und es bleiben nur noch physikalische Einschränkungen. Dieses Niveau ist der eigentliche Unterschied zwischen „gefährlich“ und „kontrolliert“: Nicht der Mut entscheidet, sondern die Beherrschung.

Nicht eine Person entscheidet: Stunt-Koordinator und Gremium

Über einen anspruchsvollen Stunt entscheidet nicht eine einzelne Person – schon gar nicht jemand, der den Job unbedingt haben will. Bei komplexen Stunts ist ein Stunt-Koordinator Pflicht, und über das Risiko urteilt idealerweise ein Gremium aus erfahrenen Stunt-Leuten und Koordinatoren. Das nimmt den Ehrgeiz Einzelner aus der Gleichung und stellt die Sicherheit über den Reiz der Aufnahme. Ich bin Mitglied bei Face-Off Stunts and Rigging – der Austausch mit erfahrenen Kolleginnen und Kollegen ist genau das, was solche Einschätzungen belastbar macht.

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Aus der Praxis: der Eddie-the-Eagle-Sturz

Wie man einen Stunt aus dem roten in den machbaren Bereich holt, zeigt ein Beispiel von einem meiner Kinofilme. Beim Stunt für „Eddie the Eagle“ war der Stunt-Koordinator Vic Armstrong – selbst jahrzehntelang das Stunt-Double von Harrison Ford in allen Indiana-Jones-Filmen und in mehreren James-Bond-Filmen, dazu Second-Unit-Regisseur. Er wusste also genau, wie er die Stunts vor der Kamera haben wollte und was im Bereich des Machbaren liegt.

Die Szene sollte so original wie möglich aussehen: Eddie, der eigentlich gar nicht Ski fahren konnte, ist damals von der Skisprungschanze gesprungen, war schon auf dem Anlauf wackelig, vor dem Schanzentisch gestürzt und dann in schlechter Fluglage – Schulter voraus – in den Landehügel geflogen und auf der Schulter gelandet. Genau das sollte nachgestellt werden.

Das Risiko lag klar im roten Bereich: Wären Winkel und Flugbahn nur wenig anders, würde man statt auf der Schulter auf dem Kopf landen – und das bedeutet schnell einen Genickbruch mit irreparablem Schaden. Wir waren also sehr nah an der Grenze. Entschärft haben wir das mit sehr viel Training, ausführlicher Vorbereitung, Matten, präpariertem Equipment und vielen Rehearsals – so lange, bis der Stunt aus dem roten in den orangenen, teils gelben Bereich rückte. Und wir waren mehrere Stuntkollegen und haben uns abgewechselt, damit die Belastung auf einen Einzelnen nicht zu hoch wird. Blaue Flecken gehören dazu – ein Genickbruch niemals.

Wie ein Action-Dreh abläuft

Ein professioneller Action-Dreh folgt einem klaren Ablauf. Erstens die Vorbereitungsphase mit dem Kunden: Gemeinsam wird erarbeitet, was möglich ist – und wo die Grenzen liegen. Zweitens Tests und Dummy-Aufnahmen: Ich mache Test-Drehs, präsentiere, was machbar ist, und gebe früh ein Gefühl dafür, wie es später aussieht. Drittens Training bis zur Reproduzierbarkeit: Sobald der Plan freigegeben ist, trainiere ich den Stunt so oft, dass ich ihn am Set auf Knopfdruck abrufen kann.

Warum das so wichtig ist: Am Drehtag steht ein hoher Kostenblock. Wenn das gesamte Team – Licht, Kamera, Regie – auf den einen Moment wartet, muss dieser sitzen. Wer den Stunt vorher hundertmal trainiert hat, liefert ihn zuverlässig.

Verletzungen sind Wahrscheinlichkeiten, keine Willkür

Viele denken, solcher Sport berge automatisch ein hohes Verletzungsrisiko. Das stimmt so nicht. Verletzungen sind eine Aneinanderreihung von Wahrscheinlichkeiten, deren Ursachen man kennen und minimieren kann. Bei einem Dreh mit dem Gleitschirm ist zum Beispiel das Wetter der wichtigste Faktor. Die Bedingungen müssen passen – und das lässt sich vorab prüfen. Stimmen die Windverhältnisse nicht, wird gewartet. Nüchtern betrachtet ist die Verletzungswahrscheinlichkeit beim Fußball höher als bei einem trainierten Extremsport, bei dem alle Risikofaktoren einkalkuliert sind.

Der gefährlichste Fehler: Routine

Die eigentliche Gefahr auf hohem Niveau ist nicht der Mangel an Können, sondern der Leichtsinn durch Routine. Wer eine Fluglizenz macht, lernt in der ersten Stunde einen Fünf-Punkte-Check: Gurtzeug, Umgebung, alle Verschlüsse, richtig eingehängt. Über die Jahre wird man schnell nachlässig – man nimmt Dinge als selbstverständlich, obwohl man längst am Limit agiert. An einem professionellen Set ist das ausgeschlossen: Hier muss jeder Check gemacht werden. Helme sind selbstverständlich, und bei gefährlichen Stunts ist ein Medic am Set Pflicht, den die Produktion stellt.

Worst Case einplanen: Versicherung und das letzte Wort

Professionalität heißt auch, den Worst Case mitzudenken. Ich bin bei der Allianz versichert und bringe eine entsprechende Unfall- und Berufsunfähigkeitsversicherung mit. Dazu gehört im absoluten Ausnahmefall auch die Absicherung von Dingen wie einer Helikopterbergung. Wenn ein Athlet, Model oder Stunt-Performer diesen Schutz nicht mitbringt, ist das aus meiner Sicht schon grob fahrlässig.

Und ein Punkt ist entscheidend: Für die eigene Gesundheit ist nicht die Produktion verantwortlich, sondern man selbst. Deshalb gilt am Set das letzte Wort mir. Wenn die Bedingungen fraglich sind, entscheide ich, ob eine Szene performbar ist. Das ist keine Diva-Attitüde, sondern genau die Zuverlässigkeit, die eine Produktion braucht.

Beratung von Anfang an

Weil hinter all dem viel Aufklärungsarbeit steckt, berate ich Produktionen gerne von Anfang an mit – schon in der Ideation-Phase. Wir klären früh, was machbar ist, wo die Grenzen liegen und was vielleicht besser von CGI übernommen werden sollte. So entsteht ein Konzept, das spektakulär aussieht und sicher umsetzbar ist – ohne böse Überraschungen am Drehtag.

Wenn Sie eine Kampagne mit echter Action planen und wissen wollen, was sich sicher umsetzen lässt: Buchungsanfrage senden.

Häufige Fragen

Wie wird ein Stunt oder eine Action-Szene abgerechnet?
Über eine Risiko-Matrix aus Wahrscheinlichkeit und Schwere. Je anspruchsvoller die Szene, desto höher der Preis – nicht nur wegen des Risikos, sondern vor allem wegen der Vorbereitungs- und Trainingszeit. Szenen im roten Bereich werden entweder nicht freigegeben oder nur unter maximalen Vorkehrungen und entsprechend vergütet.

Wer entscheidet, ob ein Stunt sicher genug ist?
Nicht eine Einzelperson. Bei komplexen Stunts ist ein Stunt-Koordinator Pflicht, und über das Risiko urteilt idealerweise ein Gremium aus erfahrenen Stunt-Leuten – nicht jemand, der den Job unbedingt will. Am Set hat der Performer zudem das letzte Wort über die eigene Sicherheit.

Ist Extremsport vor der Kamera nicht viel zu gefährlich?
Nüchtern betrachtet nicht. Verletzungen sind eine Kette von Wahrscheinlichkeiten, die man kennt und minimiert. Bedingungen wie das Wetter werden vorab geprüft; passt etwas nicht, wird gewartet. Trainierter Extremsport mit einkalkulierten Risikofaktoren ist statistisch oft weniger riskant als etwa Fußball.

Welche Versicherungen sollte ein Action-Performer haben?
Mindestens Berufs-Haftpflicht sowie Unfall- und Berufsunfähigkeitsversicherung – bei mir über die Allianz, inklusive Absicherung für den äußersten Notfall. Ohne diesen Schutz zu arbeiten, halte ich für grob fahrlässig. Am Set stellt die Produktion bei gefährlichen Stunts zusätzlich einen Medic.

Wie läuft die Vorbereitung eines Action-Drehs ab?
In drei Schritten: gemeinsame Machbarkeitsklärung mit dem Kunden, Tests und Dummy-Aufnahmen, dann Training bis zur Reproduzierbarkeit auf Knopfdruck. So sitzt der entscheidende Moment am teuren Drehtag zuverlässig.

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