Diamant 365 auf der Kartbahn: ein E-Bike-Werbedreh als nächtliches Rennen
Behind the Scenes des Diamant-365-E-Bike-Drehs: volle Action auf einem Alltags-E-Bike, nachts auf einer Kartbahn – plus die Technik dahinter: wie Action-Fotos scharf und bewegungsunscharf zugleich entstehen.
Written by
Tobi Deckert
Reading Time
6 Minuten
| Insignificant 1 | Minor 2 | Significant 3 | Major 4 | Severe 5 | |
|---|---|---|---|---|---|
| Almost certain 5 | Medium 5 | High 10 | Very high 15 | Extreme 20 | Extreme 25 |
| Likely 4 | Medium 4 | Medium 8 | High 12 | Very high 16 | Extreme 20 |
| Possible 3 | Low 3 | Medium 6 | Medium 9 | High 12 | Very high 15 |
| Unlikely 2 | Very low 2 | Low 4 | Medium 6 | Medium 8 | High 10 |
| Rare 1 | Very low 1 | Very low 2 | Low 3 | Medium 4 | Medium 5 |
The same activity moves through the zones depending on conditions — weather, surface, light and daily form shift the rating.

Das Projekt
Diamant baut Fahrräder „bewegt seit 1885“. Das Diamant 365 ist ein bewusst leichtes City-E-Bike für den Alltag – und genau deshalb war die Aufgabe reizvoll: ein unaufgeregtes Alltagsprodukt sollte richtig cool wirken. Die Idee: eine mehrstöckige Kartbahn, nachts, rotes Neonlicht, drei Freunde im Rennfieber. Meine Buchung kam über Elace Sportmodels.
Der ganze Reiz liegt im Kontrast: ein Rad, das im Alltag zuverlässig zum Supermarkt oder in den Biergarten fährt, inszeniert als Action-Maschine im Dunkeln.
Volle Action auf einem Alltags-E-Bike
Ein normales E-Bike hat natürlich Grenzen – einen Downhill-Trail fährt man damit nicht. Aber die Kartbahn hatte einen glatten Belag mit viel Haftung, gemacht für Gummireifen. Deshalb haben wir vorab Fahrtests gemacht: Wir haben uns bei verschiedenen Geschwindigkeiten in die Kurve gelegt und getestet, ab wann vor allem das Hinterrad ausbricht. Dazu Bremstests, um herauszufinden, mit welcher Geschwindigkeit und welchen Radien wir überhaupt shooten konnten.
Viele Szenen entstanden im Dunkeln, wir mussten schnell um die Kurven – im Vertrauen darauf, dass der Grip hält. Obwohl es ein ganz normales Straßen-E-Bike war, würde ich behaupten: Ich habe an dem Tag das Maximum aus diesem Rad herausgeholt. Genau das ist der Punkt – ein Sport-Model mit echter Fahrtechnik lässt ein Alltagsprodukt glaubwürdig sportlich aussehen, ohne dass es gestellt wirkt.
Präzision auf engstem Raum
Der eigentliche Reiz lag in der Präzision. Ich musste mit maximaler Geschwindigkeit in der Kurve liegen – durfte dabei aber weder die Stative der Blitze umfahren noch auf der anderen Seite gegen die Bande krachen. Voller Speed und millimetergenaue Kontrolle zugleich, im Halbdunkel, Take für Take reproduzierbar. Das ist kein waghalsiges Draufgängertum, sondern kalkulierte, trainierte Kontrolle.
Sicherheit: der Unterschied zwischen Action und Leichtsinn
Sicherheit ist bei so einem Dreh ein großes Thema. Wenn die Geschwindigkeit hoch ist – etwa nach einem Gefälle in eine enge Kurve – müssen alle Hindernisse aus dem Weg: Da darf kein Blitzstativ stehen, und eine Abpolsterung hilft auch nichts mehr, wenn man mit 30 km/h dagegen schleudert. Helm ist selbstverständlich, und ein Sanitätsteam sollte bei so einem Dreh immer vor Ort sein, damit im Ernstfall schnell gehandelt werden kann.
Der gefährlichste Fehler ist ein anderer: Man wiederholt dieselbe Szene viele Male hintereinander, und irgendwann schleichen sich Unkonzentriertheit, Müdigkeit oder Leichtsinn ein – man nimmt Dinge als selbstverständlich, obwohl man längst am Limit der Physik fährt. Deshalb gilt: lieber einmal öfter Pause machen, das Material checken, Fahrbahnbelag und Reifenprofil kontrollieren. Genau dieses Denken trennt kontrollierte Action von echtem Risiko.
Das Foto-Handwerk: Schärfe und Bewegungsunschärfe zugleich
Bei Diamant war nicht nur das Video wichtig, sondern vor allem das Foto – und da lag die eigentliche Herausforderung. Wir hatten wenig Licht: eine komplett dunkle Halle, rotes Neonlicht aus LED-Leisten und ein großes Blitz-Setup. So ein Setup muss man unbedingt vorab mit Model und Fotograf testen – hier sind viele Einstellungen nötig, und alles muss perfekt zusammenspielen.
Wie so ein Bild entsteht, kurz erklärt: Die Helligkeit des Hintergrunds steuert man über Belichtungszeit und ISO – darüber entscheidet man, wie viel unscharfer Hintergrund sichtbar wird. Der Blitz ist aufs Hauptmotiv gerichtet und erhellt genau den Bereich, in dem die Action passiert; dort muss auch der Fokus perfekt sitzen. Damit der Motion Blur richtig kommt, zieht der Fotograf mit – wie bei einer Kamerafahrt verfolgt er das Model, trifft den perfekten Punkt, löst aus und zieht weiter. Im besten Fall entstehen so die gewünschten Light Trails.
Die Verschlusszeit ist dabei relativ lang – etwa 1/10 bis 1/20 Sekunde, damit die Bewegung natürlich verwischt. Der Blitz selbst ist extrem kurz – 1/2000 bis 1/10000 Sekunde –, damit die Action gestochen scharf eingefroren wird. Entscheidend: Der Blitz wird auf den zweiten Verschlussvorhang gestellt (im Kameramenü „Rear“ bzw. „Second Curtain“), er löst also erst kurz vor dem Schließen des Verschlusses aus. Und man prüft unbedingt die Funkverbindung zwischen Blitz und Auslöser. Manchmal agiere ich als Model bewusst langsamer oder übertrieben schneller als natürlich, um mehr oder weniger Bewegungsunschärfe zu provozieren – man steuert das Bild an mehreren Fronten gleichzeitig und muss sich eng abstimmen. Bis so ein Bild „im Kasten“ war und der Kunde zufrieden, hat es einige Versuche gebraucht.
Action und Schauspiel: drei Freunde im Wettkampf
Neben der reinen Action mussten wir uns als Gruppe ergänzen: Action und Schauspiel mit der passenden Interaktion von drei Freunden, die sich gerade einen Wettkampf liefern. Diese Momente – der Blick zur Seite, das Kräftemessen, die gemeinsame Energie – im richtigen Augenblick einzufangen, war herausfordernd und hat großen Spaß gemacht. Das Resultat kann sich sehen lassen.
Worum es am Ende geht
Dieser Job steht für einen zentralen Teil meiner Arbeit: echte Action auf kalkuliertem, kontrolliertem Niveau – kombiniert mit dem Verständnis dafür, wie so ein Bild technisch entsteht. Eine Produktion bekommt jemanden, der die Fahrtechnik beherrscht, präzise auf Ansage liefert und mit Fotograf und Regie mitdenkt, statt nur „auf dem Rad zu sitzen“.
Wenn Sie eine Kampagne planen, bei der ein Produkt durch echte, kontrollierte Action zum Leben kommt: Buchungsanfrage senden.
Häufige Fragen
Wie entstehen Action-Fotos, die scharf und gleichzeitig verwischt sind?
Über das Zusammenspiel von Blitz und Umgebungslicht. Die Helligkeit des unscharfen Hintergrunds steuert man über Belichtungszeit (ca. 1/10–1/20 s) und ISO; der kurze Blitz (ca. 1/2000–1/10000 s) friert das Hauptmotiv scharf ein. Der Fotograf zieht mit der Bewegung mit und löst auf dem zweiten Verschlussvorhang („Rear/Second Curtain“) aus – so entstehen saubere Light Trails hinter einem scharfen Motiv. Das braucht ein Test-Setup und viele Versuche.
Was ist Blitz auf dem zweiten Verschlussvorhang?
Eine Blitzeinstellung, bei der der Blitz erst kurz vor dem Schließen des Verschlusses zündet (statt am Anfang). Dadurch liegt die Bewegungsunschärfe hinter dem Motiv statt davor – die Bewegung wirkt natürlich, als würde das Objekt die Lichtspur hinter sich herziehen.
Kann man mit einem normalen Alltags-E-Bike echte Action fahren?
Ja – wenn der Fahrer die Technik beherrscht. Ein leichtes City-E-Bike ist nicht für Stunts gebaut, aber ein Sport-Model mit echter Fahrpraxis kann es über Fahr- und Bremstests kontrolliert ans Limit bringen und dabei glaubwürdig sportlich aussehen lassen.
Wie sichert man einen Action-Dreh auf engem Raum ab?
Hindernisse wie Blitzstative kommen aus der Fahrlinie (Abpolsterung reicht bei Tempo nicht), Helm ist Pflicht, ein Sanitätsteam ist vor Ort. Der wichtigste Punkt sind regelmäßige Pausen: Ermüdung und Routine führen zu Leichtsinn – lieber einmal mehr Material, Belag und Reifen prüfen.
Warum eine Kartbahn für einen E-Bike-Dreh?
Weil sie eine spektakuläre, kontrollierte Kulisse bietet: griffiger Belag, enge Kurven, dramatisches Neonlicht und ein geschlossener Raum, in dem sich Action sicher inszenieren lässt – ideal, um ein Alltags-E-Bike überraschend cool aussehen zu lassen.
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Tobi Deckert