Aircraft Skiing: auf Ski hinter dem Flugzeug über den zugefrorenen Riegsee
Auf Ski hinter einer Piper mit bis zu 100 km/h über den zugefrorenen Riegsee – der Shaping-New-Tomorrow-Dreh mit Pilot Tom Huber, Mischfabrik und FPV-Drohne. Wie ein Stunt geplant, abgesichert und gefilmt wird, den so noch niemand gemacht hat.
Written by
Tobi Deckert
Reading Time
6 Minuten

Wie die Idee entstand
Die Idee stammt von Tom Huber – einem sehr erfahrenen Piloten mit eigener Flugschule in Uffing, spezialisiert auf Wintereinsätze, Ski-Montagen an Flugzeugen und außergewöhnliche Flugbetriebe wie Landungen auf zugefrorenen Seen. Mit der Brillenmarke gloryfy hatte er schon einmal einen Wakeboarder hinter dem Flugzeug gezogen – das wollte er unbedingt auch mit einem Skifahrer machen.
Der Moment kam, als der Riegsee im Voralpenland nach einer langen Kälteperiode massiv zugefroren war. Die Filmproduktion MISCHFABRIK klinkte sich ein und machte ein Kundenprojekt daraus – mit Shaping New Tomorrow, der dänischen Modemarke, die ihre hochelastischen Anzüge immer wieder mit actionreichen Clips bewirbt: Sportler im Anzug, um zu zeigen, wie bequem und dehnbar die Teile wirklich sind. Der Kontakt zu mir kam über meine Stuntagentur Face Off – über Mitgründer Mark, der immer an mich denkt, wenn spezielle Ski-Stunts anstehen.
Der Aufbau: 30 Meter Seil, 70 km/h – und jederzeit ausklinkbar
Das Schöne war: Wir hatten wirklich nur Profis am Set – Pilot Tom, Klaus Listl (Freezing Motions) als Fotograf, Daniel von Mischfabrik als Hauptkameramann und Felix als FPV-Drohnenpilot. Jede Szene wurde exakt geplant: welcher Winkel, welche Perspektive.
Schleppkupplung: Hinten am Flugzeug sitzt eine Schleppkupplung – Tom hätte mich jederzeit ausklinken können, wenn etwas schiefläuft.
Haltegriff: Ich hielt einen Griff wie an einer Wakeboard-Leine – nicht fest verbunden, ich konnte jederzeit loslassen.
Leine & Tempo: ca. 30 Meter Leine; das Flugzeug braucht etwa 70 km/h zum Abheben – in den Kurven trugen mich die Fliehkräfte nach außen, dann waren es 90–100 km/h.
Eislöcher: Der See hatte Stellen mit Luftblasen, an denen das Eis nicht durchgefroren war – runde Krater, bei dem Tempo kaum rechtzeitig zu erkennen. Deshalb ist Tom die Route vorher mehrfach ohne mich abgeflogen, um mich dann sicher zwischen den Löchern hindurchzuziehen.

Carving gegen das Flugzeug: was wirklich anspruchsvoll war
Die Kräfte am Seil sind grundsätzlich wie hinter einem Boot: Fährt das Zugfahrzeug eine enge Kurve, wirst du nach außen getragen und plötzlich viel schneller – diese Physik kannte ich vom Wakeboarden und davon, dass ich schon oft mit Ski gezogen wurde: vom Bungee-Seil, von der Winde, vom Auto. Spannend wurde es, als alles eingespielt war und wir knallharte Action wollten, die zugleich locker aussehen musste: Ich begann, hinter dem geradeaus fliegenden Flugzeug Carving-Schwünge zu fahren. Damit hatte ich mit der Geschwindigkeit zu kämpfen – und Tom mit mir: Jeder harte Schwung zog über die Hebelkräfte das Heck des Flugzeugs in meine Richtung, und er musste kräftig gegenlenken. Im Video sieht man das kaum – aber es war beachtlich, wie deutlich er mich gespürt hat.
Dazu das Zusammenspiel in der Luft: Hilde, Toms Frau, flog ein zweites Flugzeug und filmte unsere Maschine – teils im Formationsflug, teils gegenversetzt. Plus die FPV-Drohne. Zwei Flugzeuge, ich am Seil, eine Drohne – und die Action musste genau im richtigen Fokuspunkt stattfinden. Welcher Winkel welche Wirkung erzeugt, ist übrigens genau das Thema meines Artikels über Kameraperspektiven & Rigs.

Genehmigungen & Sicherheit auf dem Eis
Die lange Kälteperiode war der Auslöser der ganzen Aktion: Das Eis war teils über einen halben Meter dick – keine Gefahr für Crew und Flugzeug. In der Seemitte gab es zudem verhältnismäßig wenig Vogelleben, der Impact auf die Natur blieb gering. Die örtliche Polizei wurde informiert und war zur Hauptaction sogar vor Ort; Tom hat mit seinen Maschinen ohnehin eine Landeerlaubnis außerhalb des Flugplatzes. Wasserwacht und Rettungskräfte standen bereit – und jede Menge Schaulustige durften dem Spektakel beiwohnen. Wie man solche Drehs generell absichert und genehmigt, steht im Bergdreh-Leitfaden; wie das Risiko in die Kalkulation einfließt, in der Risiko-Matrix.
Der Anzug im Härtetest
Und der Kunde? Shaping New Tomorrow bewirbt seine elastischen Anzüge genau mit solchen Clips – Sport in Anzügen, die jede Bewegung mitmachen. Carving-Schwünge bei 90 km/h hinter einem Flugzeug sind dafür ein ziemlich ehrlicher Beweis.

Ergebnis & Verwertung
Weil das in dieser Form noch niemand gemacht hat, kam der Clip auf Social Media sehr gut an. Den offiziellen Kundenclip siehst du als Reel weiter oben im Artikel, den internen Directors-Cut-Teaser ganz oben als Video. Wir haben spät im Winter gedreht, deshalb geht die Kampagne erst zur nächsten Wintersaison richtig online. Das Feedback war jetzt schon stark, der Kunde happy – und es folgen weitere Clips plus eine längere Behind-the-Scenes-Edition, die ich voraussichtlich selbst schneide. Dieser Artikel wächst dann mit.
Was ein Booker daraus mitnimmt
Es hat funktioniert, weil das Team perfekt harmoniert hat – obwohl wir uns nicht alle vorher kannten. Entscheidend ist die klare Rollenverteilung: Jeder hat seinen Bereich, gibt darin Anweisungen und bespricht, was geht und was nicht. Für mich hinten am Seil spielt es keine Rolle, wo die Drohne fliegt – mein Fokus liegt allein auf der Performance auf Ski und darauf, die Kräfte vorauszuahnen, die ich aufs Flugzeug übertrage. Das kann ich, weil ich als Ingenieur das technische Verständnis dafür mitbringe – dieselbe Denkweise wie bei meinen Eigenbau-Rigs und beim Freeski. Tom stimmt sich mit Hilde ab, alle mit dem Kamerateam, Fotograf und Kamera untereinander, damit niemand im Frame des anderen steht.
Genau diese Absprache funktioniert nur mit echten Profis. Jemand, der so etwas zum ersten Mal macht, bringt in jeder Hinsicht ein Sicherheitsrisiko in die gesamte Action. Sie planen einen Stunt- oder Action-Dreh, den so noch niemand gemacht hat? Buchungsanfrage senden.
FAQ
Wie funktioniert Aircraft Skiing?
Ein Flugzeug mit Schleppkupplung zieht den Skifahrer an einer ca. 30-Meter-Leine über einen zugefrorenen See – mit Wakeboard-Griff statt fester Verbindung, sodass der Fahrer jederzeit loslassen und der Pilot jederzeit ausklinken kann.
Wie schnell ist man auf Ski hinter dem Flugzeug?
Das Flugzeug braucht rund 70 km/h für einen stabilen Flug – in den Kurven tragen die Fliehkräfte den Fahrer nach außen, dann sind es 90 bis 100 km/h.
Wie wird so eine Aktion abgesichert?
Über dickes, geprüftes Eis (hier über ein halber Meter), eine vorab mehrfach abgeflogene Route (Eislöcher!), informierte Polizei vor Ort, Wasserwacht und Rettungskräfte – und ein Team, in dem jeder Profi seine klare Rolle hat.
Fakten zum Projekt
Kunde | Shaping New Tomorrow (dänische Modemarke) · Produktion: MISCHFABRIK |
Location | zugefrorener Riegsee, bayerisches Voralpenland |
Team | Pilot Tom Huber (Flugschule Uffing) · Hilde Huber (2. Flugzeug) · Klaus Listl/Freezing Motions (Foto) · Mischfabrik (Kamera) · FPV-Drohne |
Eckdaten | ~30 m Leine · 70 km/h Grundtempo · 90–100 km/h in Kurven · Eis > 0,5 m |
Buchung über | Face Off Stunts & Rigging |
Crew und Beteiligte
Ohne dieses Team wäre der Dreh nicht möglich gewesen — Dank an alle Beteiligten für die professionelle Arbeit: @flystol.eu, @mischfabrik, @freezingmotions und @radlhuber.
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