Wer ist wer am Stunt-Set: Koordinator, Rigger, Performer, Double und Safety
Wer am Stunt-Set was macht, wer wen bucht und wer im Ernstfall geradesteht. Stuntkoordinator, Rigger, Performer, Double und Safety — mit dem Funkkreis-Detail, das in keinem Lexikon steht, der Papierseite für die Versicherung und einer Tabelle, mit der eine Produktion kalkulieren kann.
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| Insignificant 1 | Minor 2 | Significant 3 | Major 4 | Severe 5 | |
|---|---|---|---|---|---|
| Almost certain 5 | Medium 5 | High 10 | Very high 15 | Extreme 20 | Extreme 25 |
| Likely 4 | Medium 4 | Medium 8 | High 12 | Very high 16 | Extreme 20 |
| Possible 3 | Low 3 | Medium 6 | Medium 9 | High 12 | Very high 15 |
| Unlikely 2 | Very low 2 | Low 4 | Medium 6 | Medium 8 | High 10 |
| Rare 1 | Very low 1 | Very low 2 | Low 3 | Medium 4 | Medium 5 |
The same activity moves through the zones depending on conditions — weather, surface, light and daily form shift the rating.
Warum die Rollen am Stunt-Set ständig verwechselt werden
„Wir brauchen jemanden für den Stunt" ist einer der häufigsten Sätze in Produktionsanfragen — und einer der unpräzisesten. Dahinter kann alles Mögliche stecken: ein Sportler, der eine Abfahrt fährt. Ein Double, das für die Nahaufnahme aussehen muss wie der Hauptdarsteller. Ein Performer, der von einer Explosion weggerissen wird. Oder ein ganzes Team mit Koordinator, Riggern und Safety, weil die Szene ohne Aufbau schlicht nicht drehbar ist.
Der Unterschied ist keine Wortklauberei. An ihm hängen Budget, Vorbereitungszeit, Versicherung und Haftung — und die Frage, ob eine Szene am Drehtag funktioniert oder ob sie gestrichen wird. Dieser Artikel geht deshalb streng die Rollen durch: wer was macht, wer wen bucht, wer im Zweifel geradesteht und wer am Set das letzte Wort hat.
Ich schreibe das aus der Perspektive des Performers. Ich stehe seit Jahren als Sport-Double und Stunt-Performer vor der Kamera, arbeite über eine Stuntagentur und werde ebenso direkt von Produktionen angefragt. Was die einzelnen Aktionen technisch sind, habe ich getrennt beschrieben: Was ist ein Ratchet-Stunt? erklärt die Technik hinter dem Zug, und Sport-Double oder Stunt-Double? erklärt, warum ein Gesicht oft günstiger ist als zwei. Hier geht es ausschließlich um die Menschen dahinter.
Die Rollen auf einen Blick
Die Tabelle ist bewusst so gebaut, dass eine Produktion sie beim Kalkulieren benutzen kann: Wer macht was, wer bucht die Person, und wofür steht sie gerade.
Rolle | Was diese Person macht | Wer sie in der Regel bucht | Wofür sie geradesteht |
Stuntkoordinator | plant und choreografiert die Action, wählt die Performer aus, trainiert sie, briefte Regie und Produktionsleitung, gibt am Set die Signale | Produktion, meist früh in der Vorbereitung | Sicherheit aller Beteiligten in der Stuntszene; Risikoanalyse und Stunt-Bericht für die Versicherung |
Stunt-Rigger | baut die Technik: Seile, Umlenkrollen, Flaschenzüge, Sicherungspunkte, unsichtbare Geschirre für Schauspieler | Koordinator, über die Produktion abgerechnet | den Aufbau und dessen Belastbarkeit — die Entscheidung, ob gefahren wird, trifft er nicht |
Stunt-Performer | führt die Aktion aus: Sturz, Zug, Treffer, Auffahrt, Sprung — auch als Komparse mit erweiterter Aufgabe | Koordinator oder Agentur, teils direkt von der Produktion | die eigene Ausführung; er darf und soll abbrechen, wenn etwas nicht passt |
Stunt-Double | dasselbe wie der Performer, zusätzlich mit Ähnlichkeit zum Schauspieler: Statur, Haare, Bart, Kostüm | Produktion oder Koordinator, nach Casting gegen den Darsteller | die Ausführung und die Anschlussfähigkeit im Schnitt |
Sport-Double / Sportmodel | fährt die Sportart echt und auf Niveau, ohne dass es ein präparierter Stunt ist | Produktion, Agentur oder direkt | die sportliche Ausführung — nicht für Spezialaufbauten |
Safety | beobachtet die Szene von außen, prüft Aufbau und Ablauf gegen, hält den objektiven Blick | Koordinator; in kleineren Setups innerhalb des Stuntteams besetzt | das doppelte Prüfen — die fachliche Einschätzung, die ein Sanitätsteam nicht leisten kann |
Second Unit Director | führt bei der Actionszene eigenständig Regie und liefert seine Bilder unabhängig zu | Produktion, auf Wunsch der Hauptregie | die inhaltliche Entscheidung über die Actionszene |
Wer hier nur eine einzige Zeile mitnehmen will: Der Rigger baut auf, der Koordinator entscheidet, der Performer führt aus — und alle drei hören am Set auf dieselbe Stimme.
Der Stuntkoordinator: das Bindeglied zwischen Rolle und Umsetzung
In meinen Augen ist der Koordinator jemand, der etwas älter ist und Erfahrung hat. Das ist keine Höflichkeitsfloskel, sondern die Funktionsbeschreibung: Er ist das Bindeglied zwischen der Rolle und der Umsetzung. Er liest ein Drehbuch und weiß sofort, wie er eine Szene bauen würde — und er hat ein Netzwerk an Experten und Performern, aus dem er genau die Person zieht, die für diese eine Anforderung passt.
Das deckt sich mit der offiziellen Rollenbeschreibung: Der Stunt Coordinator plant, koordiniert und überwacht sämtliche Stunt-Sequenzen, wählt die Stuntleute aus und trainiert sie. Er gilt als Sicherheitsexperte und Action-Choreograph in einer Person und verantwortet die Sicherheit aller Beteiligten.
Seine Arbeit beginnt lange vor dem Drehtag. Im Vorfeld überlegt er mit — was ist umsetzbar, was braucht Aufbau, was braucht Training, was ist nur mit Trick oder Schnitt zu lösen. Während des Drehs ist er das Sprachrohr zwischen Regie und Stuntteam.
„Er schützt den Performer vor der Regie"
Das ist der Teil der Rolle, den man von außen selten sieht und der im Ernstfall der wichtigste ist. Der Koordinator trägt Mitverantwortung und weiß genau, was der Performer kann und was nicht. Und er schützt den Performer vor spontanen neuen Ideen der Regie.
Ein konkretes Beispiel: Am Set entsteht die Idee, statt eines einfachen Backflips einen doppelten zu machen, weil es im Bild größer aussieht. Der Koordinator kann direkt eingreifen und sagen, dass das nicht geht — oder dass es mehr Training, mehr Vorbereitung und einen anderen Aufbau braucht. Das ist keine Verweigerung, das ist seine Aufgabe.
Und das läuft in beide Richtungen. Der Performer kann dem Koordinator genauso mitteilen, dass etwas nicht passt — dass der Anlauf zu kurz ist, der Untergrund anders reagiert als beim Test, das Licht blendet oder die Aktion sich in der dritten Wiederholung falsch anfühlt. Ein Koordinator, bei dem dieser Rückkanal nicht funktioniert, ist der eigentliche Risikofaktor am Set.
Wie sich das auf die Buchung auswirkt — welches Risiko welche Gage rechtfertigt und wo die Grenze zwischen Sportaction und Stunt verläuft — habe ich in Action, Adrenalin und Risiko: so funktionieren Buchungen aufgeschrieben.
Risikoanalyse, Stunt-Bericht, Versicherung — die Papierseite des Koordinators
Was in Gesprächen fast nie vorkommt, aber der Grund ist, warum eine Produktion einen Koordinator überhaupt braucht: Er erstellt Risikoanalysen und Stunt-Berichte, die der Versicherung vorgelegt werden. Ohne diese Unterlagen ist eine Actionszene für die Produktion kein kalkulierbares Risiko mehr, sondern ein offenes.
Dazu kommt das Regelwerk. In Deutschland gelten am Set die DGUV-Vorschriften und die berufsgenossenschaftlichen Sicherheitsvorschriften der zuständigen Berufsgenossenschaft für Stunt und Pyrotechnik. Das ist der Rahmen, in dem sich die gesamte Planung bewegt — und der Grund, warum „wir machen das einfach schnell" bei einer Stuntszene keine zulässige Option ist.
Für Produktionen heißt das ganz praktisch: Der Koordinator gehört in die Vorbereitung, nicht in den Drehplan. Wer ihn erst für den Drehtag bucht, bezahlt einen sehr erfahrenen Menschen dafür, vor Ort festzustellen, dass die Szene so nicht geht.

Der Funkkreis: das Detail, das in keinem Lexikon steht
Der Koordinator steht neben dem Regisseur. Der Regisseur koordiniert die gesamte Szene und hat den Kontakt zu den einzelnen Departments — Special Effects zum Beispiel, die mit dem Stuntteam oft besonders eng zusammenarbeiten.
Deshalb sind die Funkkreise am Set so aufgebaut, dass sie diese Abhängigkeiten abbilden: Jedes Department hat in der Regel einen eigenen Funkkreis, und der Koordinator kann mithören — etwa, wann Special Effects eine Explosion zündet. Erst dadurch kann er das Stuntteam sauber auf einen fremden Auslöser hin koordinieren.
Besonders relevant wird das, wenn mehrere Stunt-Performer gleichzeitig im Einsatz sind und ihre Aktionen zeitlich untereinander abstimmen müssen — bei Stunt Drivern ist es die halbe Miete. Da liegen zwischen „sieht großartig aus" und „geht schief" oft weniger als zwei Sekunden, und diese zwei Sekunden werden nicht durch Zurufe koordiniert, sondern über eine geplante Funkstruktur.
Wie eng dieses Zusammenspiel bei einer echten Sprengung wird, habe ich bei Trautmann erlebt: Der Zug am Ratchet und die Zündung müssen im selben Moment liegen, sonst sieht man im Bild, dass zwei Dinge nacheinander passiert sind.

Der Rigger: er baut auf, der Koordinator entscheidet
Der Rigger ist die technische Seite des Stuntteams — und sein Satz lautet: Der Rigger baut auf, der Koordinator entscheidet. Er bestimmt nicht, ob eine Aktion gefahren wird. Er sorgt dafür, dass sie überhaupt fahrbar ist.
Sein sichtbarster Job ist die Absicherung der Schauspieler. Wenn ein Darsteller selbst eine gefährliche Szene spielen soll — auf einem Dach, an einer Kante, auf einem schmalen Vorsprung —, bekommt er ein unsichtbares Brust- oder Hüftgeschirr und wird an dünnen schwarzen Leinen gesichert. Das Rigging-Team baut die Umlenkrollen dafür und setzt die Sicherungspunkte. Im fertigen Bild ist davon nichts zu sehen; die Leinen verschwinden entweder im Kontrast oder später in der Postproduktion.
Ansonsten arbeitet der Rigger im Hintergrund und zieht im wahrsten Sinne des Wortes die Fäden: Über Flaschenzüge und Konstruktionen aus Seil und Umlenkrollen lassen Rigger Performer durch eine Szene fliegen, heben sie an, bremsen sie ab oder halten sie in einer Position, die ohne Aufbau nicht zu halten wäre.
Wie weit das gehen kann, zeigt der Rollstuhl-Stunt auf Eis: Dort war der eigentliche Aufwand nicht die Aktion, sondern der Aufbau, der sie erst wiederholbar gemacht hat. Und die technische Erklärung des am häufigsten eingesetzten Rigging-Werkzeugs steht in Was ist ein Ratchet-Stunt?.
Und ganz wichtig, weil daran am Set alles hängt: Sowohl die Regie als auch der Stunt-Performer hören auf die Signale des Stuntkoordinators. Nicht auf den Rigger, nicht auf die Kamera, nicht auf den Aufnahmeleiter. Eine Stimme.

Stunt-Performer und Stunt-Double — das eine schließt das andere nicht aus
Diese beiden Begriffe werden am häufigsten vertauscht, dabei ist die Unterscheidung einfach: Stunt-Performer ist die Tätigkeit, Stunt-Double ist die Funktion in dieser konkreten Produktion. Man kann beides gleichzeitig sein — in der Praxis ist man das meistens sogar.
Als Double ist für die Produktion entscheidend, dass man wirklich aussieht wie der Schauspieler: gleiche Haarlänge, gleiches Kostüm, ungefähr gleiches Gesicht, auch der Bart muss stimmen. Erst dann lässt sich über den Schnitt lösen, dass in der Actionszene das Double den Sturz, den Treffer oder die Explosion übernimmt und im Anschluss wieder der Darsteller im Bild ist. Was das für den eigenen Look bedeutet — und was es kostet, wenn eine Produktion Bart oder Haare verlangt — steht in Bart, Haare, Körper.
Ein Stunt-Performer kann aber genauso eine Komparsenrolle übernehmen — im Grunde ein Komparse mit mehr Verantwortung und mehr Aufgaben: die Person im Hintergrund, die von einer Explosion weggerissen wird, angeschossen wird oder angefahren wird und wegfliegt. Es muss nicht immer der Hauptdarsteller sein, um den es geht. In vielen Szenen ist die Action im Hintergrund der Teil, der die Szene überhaupt glaubwürdig macht.
Der Safety — und der wichtigste Satz zum Thema Sicherheit
Der Safety ist meist eine eigene Person: jemand, der die Szene von außen beobachtet, den Aufbau gegenprüft und ausschließlich auf die Sicherheit schaut, während alle anderen auf das Bild schauen. In den Produktionen, in denen ich unterwegs war, wurde diese Rolle in der Regel innerhalb des Stuntteams besetzt — bei kleineren Setups ist das der Normalfall, bei großen Produktionen ist es eine eigene Position.
Natürlich gibt es zusätzlich ein Sanitätsteam. Aber das ersetzt den Safety nicht: Für einen Stunt braucht es Spezialexpertise, und eine externe medizinische Kraft kann in der Regel nicht einschätzen, welche Sicherung eine bestimmte Aktion braucht. Das eine ist für den Fall danach da, das andere dafür, dass es diesen Fall nicht gibt.
Und dann kommt der Satz, den ich für den wichtigsten des ganzen Themas halte: Es sind leider oft die einfachen Stunts, bei denen Verletzungen passieren. Ein Sturz von einer Leiter an einem Regal. Ein Ausrutscher auf einer nassen Fläche. Ein Sprung aus anderthalb Metern.
Der Grund ist immer derselbe: Bei einer großen Aktion sind alle konzentriert, alles wird dreimal geprüft, jeder Handgriff ist besprochen. Bei einer kleinen Aktion schleicht sich Gewohnheit ein. Deshalb darf man am Set niemals Leichtsinn oder Routine zulassen. Alles sollte im besten Fall doppelt oder dreifach geprüft sein — und genau dafür braucht es den objektiven Blick eines Stunt-Kollegen oder des Koordinators.
Auch das kommt vor, und es ist ein starkes Argument für ein Team statt einer Einzelperson: Ein Stunt liegt genau in der Expertise des Performers — aber der konkrete Sturz ähnelt einem, den ein Kollege schon einmal gemacht hat. Und der kann dann auf eine Gefahr hinweisen, die man selbst nicht auf dem Schirm hatte.
Hauptregie, Second Unit und Koordinator: wer hat wann das Sagen
Grundsätzlich geht alles aus der Feder des Regisseurs raus — er bestimmt, wie er die Szene haben will.
Aber: Wenn er eine Second Unit aufsetzt, ist diese unabhängig. Sie kann eigenständig drehen und bringt ihre Bilder unabhängig ein. Für die Actionszene zählt dann erst einmal nur die Meinung des Second Unit Directors. Der Stuntkoordinator stimmt sich also mit dem Second Unit Director ab, weil der Hauptregisseur zur selben Zeit mit den Schauspielern und dem normalen Dreh beschäftigt ist.
Bei „Eddie the Eagle" hatten wir genau diese Konstellation und ein sehr großes Team, weil es eine Hollywoodproduktion war. Die Second Unit lag bei Vic Armstrong (Second-Unit-Regie und Stunts, unter anderem langjähriges Double von Harrison Ford) — jemand, der genau weiß, wie er etwas haben will und das in der gesamten Szenerie so übersetzt haben möchte. Für einen Performer ist das angenehm: Die Ansage ist eindeutig, und sie kommt von jemandem, der die Aktion selbst gefahren hat.
Wer bucht wen — und wer stellt die Rechnung
Der praktische Teil, nach dem Produktionen am häufigsten fragen. Es gibt zwei Wege, und beide sind normal:
Weg 1 — über die Agentur. In der Regel werde ich von Face Off angefragt, wenn eine Produktionsfirma für einen speziellen Dreh eine spezielle Person sucht und sich auf die Expertise verlässt, die sie vom Marktführer gewohnt ist. Die Agentur kennt den Pool, weiß, wer welche Aktion sicher fährt, und übernimmt die Koordination.
Weg 2 — direkt. Eine Produktion kann mich auch direkt anfragen und die Szene beschreiben. Dann gibt es zwei Möglichkeiten:
Die Szene gehört zu meinem Standardrepertoire — dann kann ich sie direkt zu einem Preis anbieten.
Es ist ein komplexerer Stunt, bei dem ich Unterstützung brauche — dann frage ich intern im Team an und hole die passenden Personen dazu.
In beiden Fällen kann sowohl ich als auch meine Agentur die Rechnung stellen, und wir können untereinander verrechnen. Da wir in der Regel alle selbstständig arbeiten, gibt es hier eine gewisse Flexibilität — was für die Produktion vor allem heißt: Der Weg über die Agentur ist nicht automatisch teurer, und der Weg direkt ist nicht automatisch unsicherer. Die Unterschiede im Detail habe ich in Model buchen: Agentur oder direkt? aufgeschrieben.

Sportaction oder Stunt? Der häufigste Denkfehler von Produktionen
Gerade im Sportbereich werden Sportaction und Stunt regelmäßig in einen Topf geworfen. Die Trennlinie ist aber ziemlich scharf.
Solange man wirklich bei der Sportart bleibt, kann man den Sport einfach ausführen. Ein Skifahrer fährt eine Abfahrt, ein Kitesurfer springt, ein Biker fährt einen Trail. Das braucht sportliches Niveau, aber keinen Stuntaufbau.
Oft wird aber etwas Besonderes gefordert: ein konkreter Sturz oder eine konkrete Handlung an einer konkreten Szenerie, die exakt so aussehen muss — weil sie im Schnitt an eine andere Einstellung anschließt oder weil die Kamera an einem festen Punkt steht. Dann braucht es Stuntunterstützung, gegebenenfalls Rigging-Hilfsmittel, oder man muss etwas speziell präparieren. Und dafür braucht es mehr Erfahrung als für den Sport selbst.
Der häufigste Fehler von Produktionen ist an dieser Stelle: Sie stellen sich die Dinge zu leicht vor und unterschätzen, wie viel Planung manche Szenen brauchen.
Ein Beispiel zur Verdeutlichung — aus einem Werbespot, an dem ich selbst nicht beteiligt war, deshalb ohne Marke: Ein Kitesurfer wird über den Strand gezogen. Der Sport selbst wurde sicher von einem Kitesurf-Profi gefahren. Aber einzelne Einstellungen — etwa, wenn der Kitesurfer unter Wasser durchgezogen wird — brauchen ein Spezialsetup: eine Unterwasserkamera, die genau im richtigen Moment an genau der richtigen Stelle steht, und ein Performer, der exakt daran vorbeigezogen wird. Das ist dann nicht mehr der übliche Sport, sondern es braucht Rigging-, Kamera- und Set-Erfahrung.
Wann ein Sportmodel reicht und wann nicht — zwei Beispiele aus meiner Praxis
Wo ein Sportmodel gereicht hat — Sunlight Campervan: Ich wurde als Kitesurfer gebucht, um authentisch zu zeigen, dass der Campervan auch für Kitesurfer gemacht ist. Es gab keine harte Action — auch, weil wir wenig Wind hatten. Die Szenen waren trotzdem real und glaubwürdig, weil der Sport echt war. Hier hat ein Sportmodel gereicht, ein Koordinator wäre reine Kostenstelle gewesen. Was in diesem Bereich alles geht, steht im Kitesurf- und Wassersport-Model-Artikel.
Wo es nicht mehr gereicht hat — „Eddie the Eagle": Hier musste ich konkret auf der Skisprungschanze trainieren — und vor allem die Stürze: wie Eddie stürzt, wie er sich abrollt, über welche Schulter. Skifahren können ist gut, aber man muss die Sturzerfahrung als Stunt-Performer mitbringen. Und dort braucht es dann auch den Koordinator: mehrere Kamerateams, mehrere Performer im Einsatz, eine Second Unit mit klarer Vorstellung.
Die Faustregel dahinter ist einfach: Die Komplexität bestimmt, wie viele Personen beteiligt sind. Eine Produktion, die früh ehrlich beschreibt, was am Ende im Bild sein soll — nicht was sie sich als Sportart wünscht —, bekommt sofort eine belastbare Antwort darauf, ob ein Sportmodel reicht oder ob ein Team gebraucht wird. Und noch früher: Wenn der Dreh im Gelände stattfindet, hängt an der Antwort auch die Genehmigungsfrage, siehe Outdoor-Dreh in den Bergen planen. Und wenn der Dreh in meiner Region stattfindet, steht in Drehort Chiemgau, Berchtesgadener und Salzburger Land, welche Motive dort wann möglich sind.
Sie haben eine Szene und wissen nicht, in welche Kategorie sie fällt? Beschreiben Sie mir, was am Ende im Bild sein soll — ich sage Ihnen ehrlich, ob das ein Sportmodel, ein Sport-Double oder ein Stuntteam ist, und was jeweils an Vorbereitung dranhängt. Schreiben Sie mir.
FAQ
Was macht ein Stuntkoordinator genau?
Er plant, choreografiert und überwacht sämtliche Stunt-Sequenzen einer Produktion. Er wählt die Stunt-Performer aus und trainiert sie, briefte Regie und Produktionsleitung, erstellt Risikoanalysen und Stunt-Berichte für die Versicherung und gibt am Drehtag die Signale, auf die Regie und Performer hören. Er ist Sicherheitsexperte und Action-Choreograph in einer Person und verantwortet die Sicherheit aller Beteiligten in der Szene.
Was macht ein Stunt-Rigger?
Er baut die Technik hinter der Aktion: Seile, Umlenkrollen, Flaschenzüge, Sicherungspunkte und die unsichtbaren Brust- oder Hüftgeschirre, mit denen Schauspieler in gefährlichen Einstellungen gesichert werden. Rigger lassen Performer per Flaschenzug durch eine Szene fliegen, heben und bremsen sie. Die Entscheidung, ob eine Aktion gefahren wird, trifft er nicht — der Rigger baut auf, der Koordinator entscheidet.
Was ist der Unterschied zwischen Stunt-Performer und Stunt-Double?
Stunt-Performer ist die Tätigkeit, Stunt-Double die Funktion in einer konkreten Produktion. Ein Double muss dem Schauspieler wirklich ähneln — Haarlänge, Bart, Statur, Kostüm —, damit die Actionszene im Schnitt an die Einstellungen mit dem Darsteller anschließt. Ein Stunt-Performer kann daneben auch eine Komparsenrolle mit erweiterter Aufgabe übernehmen: die Person, die von einer Explosion weggerissen oder angefahren wird.
Wer bucht Stuntleute — die Produktion oder der Koordinator?
Beides kommt vor. Häufig fragt eine Produktionsfirma bei einer Stuntagentur an, die den passenden Performer aus ihrem Pool vorschlägt; ebenso häufig setzt der Stuntkoordinator sein eigenes Team zusammen. Eine Produktion kann einen Performer auch direkt anfragen. Da fast alle Beteiligten selbstständig arbeiten, kann in der Praxis sowohl der Performer als auch die Agentur die Rechnung stellen.
Wer haftet, wenn bei einem Stunt etwas passiert?
Die Verantwortung für die Sicherheit der Stuntszene liegt beim Stuntkoordinator, der dafür Risikoanalysen und Stunt-Berichte erstellt, die der Versicherung vorgelegt werden. Der Rahmen dafür sind in Deutschland die DGUV-Vorschriften und die berufsgenossenschaftlichen Sicherheitsvorschriften für Stunt und Pyrotechnik am Set. Der Performer trägt die Verantwortung für die eigene Ausführung — und die Pflicht, abzubrechen, wenn etwas nicht passt.
Braucht mein Werbespot einen Stuntkoordinator oder reicht ein Sportmodel?
Solange die Handlung wirklich die Sportart ist, reicht ein Sportmodel oder Sport-Double. Sobald ein konkreter Sturz, ein bestimmter Treffer oder eine Aktion gefordert ist, die exakt so aussehen muss, braucht es Stuntunterstützung, Rigging oder eine präparierte Szenerie — und damit einen Koordinator. Die Faustregel: Die Komplexität bestimmt, wie viele Personen beteiligt sind.
Warum passieren die meisten Verletzungen bei einfachen Stunts?
Weil bei großen Aktionen alle konzentriert sind und alles mehrfach geprüft wird, während sich bei kleinen Aktionen Routine einschleicht — der Sturz von einer Leiter, der Ausrutscher, der Sprung aus anderthalb Metern. Deshalb gilt am Set: kein Leichtsinn, keine Gewohnheit, alles doppelt oder dreifach prüfen. Dafür braucht es den objektiven Blick eines Kollegen oder des Koordinators von außen.
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