Eddie the Eagle: als Ski-Stunt-Double für Hugh Jackman & Taron Egerton
Wie die Skisprung-Stürze in Eddie the Eagle wirklich gedreht wurden: Training in Klingenthal, Alpinski aus den 70ern, der CGI-Nachtsprung mit echter Landung – und ein sehr bodenständiger Hugh Jackman.
Written by
Tobi Deckert
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7 Minuten
Wie der Job zustande kam
Eddie the Eagle war nicht der talentierteste Skispringer und ist in vielen Szenen buchstäblich auf die Fresse geflogen. Schnell war klar: Es braucht einen Stuntman, der Stürze auf Ski gut und sicher nachbilden kann – und da half mir meine Profikarriere als Freeskier enorm, in der ich selbst viele Stürze durchlebt habe.
Die Anfrage kam über meine Stunt-Crew Face Off (Stunts & Rigging) vom Starnberger See, mit der ich seit vielen Jahren zusammenarbeite. Second-Unit-Regie und Stunts verantwortete Vic Armstrong – die lebende Stunt-Legende, u. a. Harrison Fords Double in Indiana Jones und James Bond. Er wusste genau, wie er die Stürze haben wollte: möglichst echt, so wie sie damals wirklich passiert sind – es gibt Originalaufnahmen, die so gut wie möglich nachgestellt werden sollten.
Warum ein Stunt-Double statt echter Skispringer
Ich war viele Kicker gesprungen – im Park, auf der Piste, viele selbst gebaut. Aber eine Skisprungschanze ganz hinunterzustürzen hatte ich noch nie. Selbst Profi-Skispringer sind für gezielte, wiederholbare Stürze nicht die beste Wahl – dafür ist ein Stunt-Double geeigneter. Klar war: Das braucht Training und Vorarbeit.


Das Training in Klingenthal
Wie im echten Leben fängt man klein an. Weil ich Kicker gewohnt war, waren die kleinen Sprünge kein Problem – aber sauberes Springen musste sitzen, bevor wir an die Sturztechniken gingen: verschiedene Geschwindigkeiten und Falltechniken, anfangs kurze Ski mit leicht auslösenden Bindungen, Matten nach dem Schanzentisch, viele Protektoren. Wir hatten sogar überlegt, eine Holzstange in den In-Run zu legen, um direkt von der Schanze geschleudert zu werden – das war zu extrem und sah nicht mehr echt aus.
Ein Detail zur Luftkontrolle: Echte Skispringer nutzen Hände und Arme wie ein Leitwerk, um in der Luft auszugleichen. Bei mir ging es darum, dass der Sturz gut aussieht – also habe ich mich beim Absprung nach hinten sacken oder nach vorne fallen lassen. Eddie ist wirklich einmal nach hinten weggesackt: Kurz vor dem Absprung geht es in eine Kompression – trifft die Beinmuskulatur den Absprung nicht, rutscht man auf dem Rücken über die Schanze. Wichtig bei allem: eine möglichst steile, weich präparierte Landung – die Pistenraupe schiebt frischen Schnee nach und hackt ihn am Windenseil weich.
Equipment: Alpinski aus den 70ern und eine Flex am Set
Eddie ist damals mit normalen Alpinski gesprungen, weil er keine Sprungski hatte – genau so sollte es im Film sein. Meine ersten Sprünge machte ich deshalb mit Alpinski aus den 1970ern, mit Stahlkanten. Der Haken: Die Schanzenspuren von damals (verzinkter Stahl) sind heute aus Edelstahl – meine härteren Stahlkanten haben sich in die Schiene hineingefressen. Das bremste und war nicht ungefährlich. Also haben wir am Set mit der Flex meine Stahlkanten komplett weggeschliffen und die Bindung speziell präpariert.
Genau solche Jobs nimmt einem niemand ab – nicht die Requisite, nicht die Stylistin. Man ist selbst verantwortlich für Equipment und Sicherheit; ein Stuntman ist oft auch Halbingenieur und braucht den technischen Quickfix. Mehr dazu im Artikel Sportgerät & Stylistin.
Der kritische Take
Der heikelste Moment war die Hauptsturzszene: Eddie fliegt mit dem Kopf voraus, immer auf dieselbe Schulter. Wir waren mehrere Stuntleute und wechselten uns ab. Das Schwierige: Wir sprangen mit echten Skisprung-Ski – leicht und breit, aber schnell gebrochen. Ein Ski, der in der Landung bricht und nah am Gesicht vorbeifliegt, wird gefährlich. Eng wurde es auch mit dem Kameraequipment: Eine Blackmagic stand mitten im Landehang – ich habe sie einmal voll mitgenommen, sie ist den ganzen Hang hinuntergerollt. Es passieren immer ungeplante Dinge; deshalb sind Vorbereitung und Pausen so wichtig – blaue Flecken gehören dazu.
Zwei Schauspieler doubeln – und ein Vokuhila
Der Dreh lief über mehrere Wochen mit festem Plan, inklusive Maske. Zwischendurch doubelten wir auch andere Figuren, etwa die norwegischen Skispringer. Ich habe mir sogar einen Vokuhila schneiden lassen. Ein Business-Detail am Rande: Werden Haare oder Bart drastisch angepasst, wachsen sie für den nächsten Job nicht einfach nach – so etwas wird extra vergütet, weil der eigene Look als „Produkt" erst einmal nicht mehr buchbar ist.
Für Hugh Jackman gab es die Szene, in der er als Coach nachts die Schanze hinunterspringt – ohne Helm, im schwarzen Hemd, Zigarette im Mund. Nachts durfte kein Skispringer springen, und den kompletten Sprung konnte ohnehin niemand machen: Er wurde mit CGI gelöst. Aber ab der Landung übernehme ich – wir bauten einen kleinen Absprung in den Landehügel, und die letzten Meter Flug plus Landung sind echt von mir. Vor allem das Close-up der perfekten Landung wäre mit CGI nie authentisch geworden.
„Liegen bleiben bis zum Cut" – und der Jackman-Moment
Was kaum jemand weiß: Nach einem Drehsturz bleibt man liegen, bis der Regisseur „Cut" ruft – die Kamera läuft weiter. Für den Stunt-Koordinator ist das einer der kritischsten Momente, weil er nicht weiß, ob es dir wirklich gut geht. Ich hatte einen Anschlussdreh, bei dem Hugh Jackman als Coach zu mir läuft – im Film und in echt. Als „Cut" kam, hat er mich ernsthaft gefragt, ob alles in Ordnung ist. Das zeigte mir: Da ist ein Hollywood-Star komplett auf dem Boden geblieben und interessiert sich echt für den Menschen. Wir hatten einige richtig gute Gespräche. Schön war auch: Eddie selbst war am Set dabei und hatte im Film einen kleinen Cameo an der Bar.


Was ein Auftraggeber daraus mitnimmt
Echtes Freeski-Können bedeutet sichere, authentische Stürze ohne CGI-Bruch – gerade in den Close-ups, wo CGI nicht überzeugt. Dazu eine eingespielte Crew (Face Off), Mitdenken vor und hinter der Kamera und der Halbingenieur-Quickfix am Set. Wie solche Einsätze kalkuliert werden, erkläre ich im Risiko-Matrix-Artikel. Credits: IMDb – Tobi Deckert. Buchungsanfrage senden.
FAQ
Wer ist in „Eddie the Eagle" wirklich gesprungen?
Die Sturz- und viele Sprungszenen übernahmen Stunt-Doubles – ich war einer davon und doubelte Taron Egerton und in einer Szene Hugh Jackman. Der komplette Nachtsprung war CGI, Landung und Close-up sind echt.
Wie dreht man einen Skisprung-Sturz sicher?
Mit Stufen-Training: erst sauberes Springen, dann Falltechniken bei steigendem Tempo – leicht auslösende Bindungen, Matten, Protektoren und eine weich präparierte, steile Landung.
Warum kein echter Skispringer als Double?
Profis springen perfekt – aber gezielte, wiederholbare Stürze auf Kommando sind Stunt-Handwerk und brauchen Sturzerfahrung, wie sie Freeskier mitbringen.
Fakten zum Projekt
Film | Eddie the Eagle (2016) · Second Unit/Stunts: Vic Armstrong |
Meine Rolle | Ski-Stunt-Double für Taron Egerton & Hugh Jackman (+ Nebenfiguren) |
Crew | Face Off Stunts & Rigging (Starnberger See) |
Drehorte | Garmisch-Partenkirchen · Training in Klingenthal |
Credits |
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