May the Wind Be With You: unser selbst produzierter Snowkite-Film aus Norwegen
Selbst produziert im norwegischen Winter: mit dem Snowkite hoch, mit dem Speedrider runter – Lyngen, Lofoten, −20 °C. Und warum unser Film bei der EOFT durchfiel, weil sich niemand verletzt hat.
Written by
Tobi Deckert
Reading Time
6 Minuten
Die Idee: ein „natürlicher Lift"
Die Initiative kam von Sebastian Bubmann und Philip Kuchelmeister, die schon mehrfach in Alaska unterwegs waren – Berge hochsteigen und snowkiten. Mit Maxi Kühnhäuser (Kite-Entwickler bei Flysurfer) waren wir zu viert. Die Idee: mit dem Snowkite den Berg hochziehen lassen, am Gipfel den Kite einpacken, den Speedrider-Schirm aus dem Rucksack holen und hinunterfliegen – dann wieder wechseln. Ein natürlicher Lift, ganz ohne Bergbahn. In der Form hatte das damals noch niemand umgesetzt – genau das hat uns angetrieben. Wir sind alle gesponserte Athleten, aber hier ging es um die persönliche Leidenschaft: die sportliche Herausforderung filmisch festhalten.
Norwegen: Boot, Basecamp, minus 20 Grad
Gedreht haben wir in Lyngen und auf den Lofoten – hochalpines Gelände mit echten Gletscherspalten. Wir sind mit dem Boot an den Fuß des Berges gefahren und dann mit Tourenski und dem gesamten Equipment aufgestiegen, bis der Wind einsetzte (und wenn kein Wind kam, haben wir alles wieder geschleppt). Auf dem Gletscher bauten wir ein Basecamp und gruben fast einen halben Tag eine Schneehöhle ins Eis – wie ein Wohnzimmer. Das hat Spaß gemacht, war aber fordernd: konstant −20 °C, und wer sich nicht bewegte, dem froren schnell die Extremitäten. Ich trage bis heute eine kleine Erinnerung an die Reise – mein rechter Zehennagel war leicht abgefroren, ist abgestorben und wächst nur sehr langsam nach.
Die größte Herausforderung war aber das Wetter: So ein Vorhaben braucht Schnee, Wind und im besten Fall Sonne. Regnet es eine ganze Woche durch, ist der Schnee in den unteren Lagen weg und oben herrscht erhöhte Lawinengefahr – dann geht gar nichts.
Vor UND hinter der Kamera
Ich filme und schneide, seit ich ein Kind bin – erst mit der analogen Kamera meines Vaters (Software MAGIX), als Jugendlicher dann auf Adobe Premiere umgestiegen, alles selbst beigebracht. Aus dem kreativen Hobby ist heute ein Teil meines Berufs geworden.
In Norwegen hatten wir kein Kamerateam – wir mussten uns selbst filmen. Zwei von uns hatten Garmin-Action-Cams, ich eine GoPro; dazu Spiegelreflexkameras und eine DJI-Drohne. Bei Kälte und starkem Wind zu filmen war anspruchsvoll – wir waren selbst beeindruckt, wie gut die Drohne am Gipfel die Snowkite-Aufnahmen im Sonnenuntergang einfing (für die damalige Zeit etwas Neues). Geschnitten haben wir noch ohne Cloud: identische Ordnerstrukturen, Projektfiles hin- und herschicken, im Team. Ich saß mehrere Monate am Schnitt.
Genau diese Erfahrung – zu wissen, welchen Winkel man wie einfängt und wie man einen roten Faden hält – hilft mir heute an jedem Set. Wir haben kurze Interview-Parts eingebaut, damit auch jemand, der den Sport nicht kennt, die Herausforderung nachvollziehen kann. Für den Trailer habe ich sogar extra einen amerikanischen Sprecher gebucht. Hier der Trailer.
Warum wir bei der EOFT durchfielen – und warum ich stolz drauf bin
Wir haben uns bei der European Outdoor Film Tour (EOFT) beworben und zunächst eine Zusage bekommen – am Ende wurden wir aber nicht genommen, weil sich niemand im Film verletzt hat. Drama scheint heute fast ein Muss-Kriterium für Action- und Outdoorfilme zu sein. Das war ganz und gar nicht unsere Vision. Wir wollten die sportliche Herausforderung zeigen – und genauso den Spaß mit Freunden. Es muss sich nicht immer jemand schwer verletzen oder in Lebensgefahr bringen, um einen schönen Abenteuerfilm zu machen. Diese Haltung ist mir bis heute wichtig.
Was eine Produktion daraus mitnimmt
Dieser Film zeigt, was ich über das reine Modeln hinaus mitbringe: Ich plane, drehe und schneide selbst, halte unter harten Bedingungen (−20 °C, Wind, Selbstversorgung) eine Geschichte zusammen und denke Kamerawinkel, Licht und Ablauf von Anfang an mit. Für eine Produktion heißt das: ein Performer, der die Sprache der Kamera spricht, effizient am Set mitdenkt und auch am Berg weiß, was geht.
Der komplette Film (rund 20 Minuten) läuft oben im Artikel – alternativ auf Vimeo. Wenn Sie eine Outdoor-/Action-Produktion planen: Buchungsanfrage senden.
FAQ
Worum geht es in „May the Wind Be With You"?
Vier Athleten kiten mit dem Snowkite norwegische Berge hoch (Lyngen, Lofoten) und fliegen mit dem Speedrider-Schirm wieder hinunter – ein „natürlicher Lift". Der Film ist selbst gedreht, geschnitten und produziert.
Was ist der Unterschied zwischen Snowkite und Speedriding im Film?
Beim Snowkiten zieht der Kite dich mit Ski bergauf oder über die Fläche. Beim Speedriding fliegst du mit einem kleinen Schirm den Berg schnell und konturnah hinunter. Im Film wechseln wir am Gipfel von einem zum anderen.
Warum wurde der Film nicht in die EOFT aufgenommen?
Weil sich niemand verletzt hat. Wir wollten bewusst die sportliche Herausforderung und den Spaß mit Freunden zeigen – ohne inszeniertes Drama.
Fakten zum Projekt
Titel | May the Wind Be With You |
Jahr | 2017 (produziert mit Flysurfer) |
Team | Sebastian Bubmann · Philip Kuchelmeister · Maxi Kühnhäuser · Tobi Deckert |
Meine Rollen | Athlet · Kamera · Schnitt |
Drehorte | Lyngen & Lofoten, Norwegen |
Disziplinen | Snowkite · Speedriding |
Screening | Tegernsee International Mountain Film Festival |
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