Was ist ein Ratchet-Stunt? Air Ratchet, Ratchet Pull und die Technik dahinter
Ein Ratchet-Stunt ist ein Katapult mit Menschen: Druckluftzylinder, Flaschenzug und ein Knopfdruck. Wie ein Air Ratchet funktioniert, warum Durchhang im Seil Knochen bricht und was ein Ratchet Pull eine Produktion an Aufwand kostet.
Written by
Tobi Deckert
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9 Minuten
| Insignificant 1 | Minor 2 | Significant 3 | Major 4 | Severe 5 | |
|---|---|---|---|---|---|
| Almost certain 5 | Medium 5 | High 10 | Very high 15 | Extreme 20 | Extreme 25 |
| Likely 4 | Medium 4 | Medium 8 | High 12 | Very high 16 | Extreme 20 |
| Possible 3 | Low 3 | Medium 6 | Medium 9 | High 12 | Very high 15 |
| Unlikely 2 | Very low 2 | Low 4 | Medium 6 | Medium 8 | High 10 |
| Rare 1 | Very low 1 | Very low 2 | Low 3 | Medium 4 | Medium 5 |
The same activity moves through the zones depending on conditions — weather, surface, light and daily form shift the rating.
Was ist ein Ratchet-Stunt?
Ein Ratchet-Stunt ist, nüchtern beschrieben, ein Katapult mit Menschen. Der Performer ist über eine Leine – in der Regel ein Dyneema-Seil – mit einem Gurtzeug verbunden. Dieses Seil hängt an einem Druckluftzylinder, und der kann per Knopfdruck in sehr kurzer Zeit mit enormer Kraft wegreißen. Im Film sieht das aus, als hätte eine Explosion jemanden durch die Luft geschleudert. In Wahrheit hat ein Kollege außerhalb des Bildes einen Auslöser gedrückt.

Drei Begriffe werden dabei regelmäßig durcheinandergeworfen:
Ratchet – umgangssprachlich das ganze System aus Zylinder, Druckluft, Seil und Rigging.
Air Ratchet – das Gerät selbst, also der druckluftbetriebene Zug. Ein Air Ratchet zieht nicht nur nach hinten, sondern genauso nach oben oder zur Seite.
Ratchet Pull – der Vorgang. Der Moment, in dem es dich tatsächlich wegreißt.
Eingesetzt wird ein Ratchet-Stunt für Explosionen, Anfahrunfälle, Treffer und Stürze – und genauso für Showeinlagen im Zirkus, in der Akrobatik und auf Bühnen. Wie das in einer konkreten Produktion aussieht, habe ich im Case zum Ratchet-Stunt für den Film Trautmann aufgeschrieben.
Die Technik: Druckluftzylinder, Flaschenzug, Rigging
Das Herzstück ist ein Pneumatikzylinder. Der hängt über Luftschläuche an einer Druckluftflasche und wird über ein Triggersystem angesteuert – eine Schaltzentrale, die mit einem Auslöser verbunden ist. Drückt der Operator, zieht sich der Zylinder schlagartig ein.
Der Zylinderweg allein wäre viel zu kurz für einen spektakulären Shot. Deshalb sitzen am Ende des Zylinders Rollen, über die ein Flaschenzug aufgebaut wird. Der Flaschenzug übersetzt den Zylinderweg – und genau darüber stellt man die drei Größen ein, auf die es ankommt: Weg, Tempo und Kraft. Mehr Übersetzung heißt mehr Weg und mehr Tempo, weniger Übersetzung heißt brachialer Zug auf kurzer Strecke.
Das Ganze steckt in einem Rigging-Konstrukt. In der Praxis ist das ein robustes Traversensystem, das flexibel und genau nach Bedarf aufgebaut wird. Außerhalb des Kameraframes lassen sich an der Traverse Umlenkrollen anbringen, damit das Seil exakt in die gebrauchte Richtung zieht. Ein Beispiel: Die Explosion soll hinter dir hochgehen und dich nach vorne werfen – dann wirst du vorne angebunden, und das Seil zieht über eine Umlenkung nach vorn.
Das Harness: Wo das Seil hängt, dahin fliegst du
Das Gurtzeug ist speziell für Stuntleute entwickelt und erinnert an ein Fallschirmspringer-Gurtzeug: Es umschließt den ganzen Körper, an Beinen und Schultern schlüpft man in Schlaufen. Über das gesamte Gurtband verteilt sitzen weitere Schlaufen und Ösen, in die das Seil eingehängt werden kann.
Das ist keine Kosmetik, sondern die eigentliche Regie über den Stunt: Je nach benötigter Zugrichtung wird an der entsprechenden Stelle angebunden – und genau dorthin wirst du auch gerissen. Brust, Rücken, Hüfte, Schulter. Wer nach hinten fliegen soll, hängt hinten. Wer nach oben gerissen wird, hängt oben. Im Moment des Auslösens spürt man das nicht als Zug, sondern als brachiale Wucht.
Der gefährlichste Moment: kein Durchhang im Seil
Das ist der eine Punkt, an dem ein Ratchet-Stunt von spektakulär zu lebensgefährlich kippt – und deshalb steht er hier so deutlich: Vor dem Auslösen muss das Seil auf Anschlag sein, komplett auf Spannung. Kein Durchhang. Nicht ein bisschen.
Der Grund ist simpel und unschön. Reißt ein Ratchet mit voller Kraft in ein durchhängendes Seil, beschleunigt das System erst auf Höchstgeschwindigkeit und trifft den Körper dann schlagartig. Das ist kein Zug mehr, das ist ein Schlag – und der zerbricht dir die Knochen. Bei einer Anbindung am Brustgurt reden wir über Rippen und Wirbel.
Alles, was rund um einen Ratchet Pull an Timing, Absprachen und Proben passiert, dient im Kern diesem einen Ziel: dass das Seil im Moment des Auslösens straff ist. Deshalb wird der Ablauf so lange durchgespielt, bis der Punkt exakt sitzt, an dem der Performer im Bild ist, das Seil auf Spannung steht und der Effekt zündet.
Zahlen zum Ratchet-Stunt
Ein Ratchet ist kein Universalwerkzeug, sondern eines für einen sehr klar umrissenen Bereich. Im Film schleudert eine Explosion gerne fünf bis zehn Meter weit weg – genau das lässt sich damit hervorragend darstellen. Soll es deutlich mehr werden, muss man auf ein Windensystem umsteigen.
Der ganze Vorgang dauert einen Bruchteil einer Sekunde und wird in Echtzeit gefilmt, weil er einer echten Explosion nachempfunden ist – kein Zeitraffer, keine Beschleunigung im Schnitt. Es wirken mehrere g. Im Abschlussmoment fühlt sich das für mich nach 50 bis 80 km/h an; das ist ausdrücklich meine persönliche Wahrnehmung als Performer und kein gemessener Wert. Gearbeitet wird mit üblichen Tauchflaschen, die bis 300 bar gefüllt werden können. Wie weit und wie hoch es am Ende geht, hängt vom Flaschenzug, von der Seillänge und davon ab, was der Shot verlangt.
Wurfweite | 5–10 Meter (darüber: Windensystem) |
Dauer | Bruchteil einer Sekunde, in Echtzeit gefilmt |
Kräfte | mehrere g |
Gefühltes Tempo | 50–80 km/h im Abschlussmoment – persönliche Wahrnehmung, kein Messwert |
Druckluft | übliche Tauchflaschen, bis 300 bar |
Vorlauf | 1–2 Wochen für Probe und Team-Kapazitäten |
Aufbau | ca. ½ Tag bei vorhandenem Rigging · sonst 1 Tag Rigging + 1 Tag Rehearsal |
Takes | mehrere Abschüsse pro Flasche · Pause nach 3–4 Takes |
Stellschrauben | Flaschenzug-Übersetzung · Seillänge · Anbindepunkt am Gurtzeug |
Wer auslöst, wer abbricht – und warum Vertrauen die eigentliche Technik ist
Ausgelöst wird von einem Operator, in der Regel ein Stuntkollege. Koordiniert wird das über den Stuntkoordinator, der eng mit der Regie zusammenarbeitet: Die Regie hat Kameraframing und Set im Griff, der Koordinator weiß, wann er dem Operator das Signal gibt – in Abstimmung mit dem Performer. Das Timing wird vorher vereinbart, teils über Geräuschsignale, teils über Markierungen.
Als Performer konzentrierst du dich in dem Moment auf genau eine Sache: deinen vereinbarten Auslösepunkt oder dein Signal. Alles andere liegt bei den anderen. Der Operator hat Performer, Szenerie und Koordinator im Blick – und seine wichtigste Fähigkeit ist, im Zweifel eben auch nicht auszulösen.
„Man legt hier förmlich das Leben in den Knopfdruck eines anderen.“
Abbrechen darf jeder im Team, der etwas sieht. Das muss nur rechtzeitig passieren, denn wenn erst einmal alles läuft – Kamera, Pyro, Performer in Bewegung –, ist sehr viel gleichzeitig im Gang. Steht die Gesundheit auf dem Spiel, wird abgebrochen, Punkt. Ansonsten gilt: durchziehen, weil ein halber Abbruch mitten in der Bewegung gefährlicher ist als ein sauber zu Ende gebrachter Take.
Deshalb ist es so wichtig, dass immer dieselben Personen miteinander arbeiten. Zwischen Performer, Koordinator und Operator entsteht über Jahre eine Vertrauensbasis, die man nicht kurzfristig herstellen kann. Wie sich das in der Praxis anfühlt, steht im Case zu Kalte Füße, wo ich mit denselben Face-Off-Kollegen auf Eis gearbeitet habe.
Körperhaltung: reglos zu fliegen ist Arbeit
Der wichtigste Teil der Performance passiert im Bruchteil einer Sekunde nach dem Auslösen – und besteht darin, möglichst wenig zu tun. Wenn eine Explosion realistisch aussehen soll, muss der Körper reglos durch die Luft fliegen. Ein Mensch, den es zerreißt, spannt sich nicht an, sondern wird geworfen.
Ich lasse deshalb alles locker und gebe mich dem Zug hin. Wer instinktiv falsch reagiert, spannt zu viel an – und eigene Bewegungen wirken im Film unnatürlich, das sieht man sofort. Eine gewisse Grundanspannung im Core brauchst du trotzdem, sonst knickt der Körper an der Anbindestelle ein. Diese Balance aus „Core hält, Rest ist locker“ ist der Teil, den man üben muss.
Ein zweiter Punkt ist kontraintuitiv: Der Performer hat großen Einfluss auf die Weite. Wenn du im richtigen Moment aktiv mitabspringst, verringert sich über die Massenträgheit die Last auf dem System enorm – und du wirst deutlich weiter oder höher gerissen. Derselbe Ratchet Pull sieht dadurch doppelt so spektakulär aus.
Verwandte Systeme: Fan Descender, Wire Work, Skywalker-Winde
Ein Ratchet ist nicht für jede Bewegung das richtige Werkzeug. Die wichtigsten Nachbarn im Stuntbereich:
Fan Descender – für höhere Abstürze. Das Seil wickelt sich von einem Zylinder ab, der auch konisch geformt sein kann, sodass es sich mit unterschiedlicher Geschwindigkeit abwickelt und den Sturz abfedert. Am Zylinder sitzt ein Flügelrad, das aussieht wie eine Windmühle und die Drehgeschwindigkeit bremst; über die Stellung der Flügel kontrolliert man die Sturzgeschwindigkeit. Klassischer Einsatz: Sprünge und Stürze von hohen Dächern.
Wire Work – hier wird quasi alles per Hand gemacht: Mehrere Stuntleute ziehen einen Performer über ein Rollensystem händisch durch die Luft. Langsamer und weniger brachial, dafür feiner dosierbar.
Moderne Computersteuerungen – für Ratchet-Systeme gibt es inzwischen Steuerungen, die Geschwindigkeit, Auslösen und Zylinderbewegung deutlich präziser regeln. Damit sind zum Beispiel mehrere höhere Sprünge nacheinander möglich.
Skywalker-Windensystem / Spidercam – die Königsklasse: vier Winden an vier Positionen, die über Umlenkrollen ein Objekt, eine Kamera oder einen Stunt-Performer in der Mitte dreidimensional und computergesteuert durch den Raum bewegen. Damit lässt man Menschen wirklich fliegen. Aus Fußballstadien kennt man das Prinzip von den Kameras über dem Spielfeld. Meine Stuntagentur Face Off arbeitet mit so einem System – hier das Skywalker-Demovideo von Face Off: schon älter, von 2009, aber es zeigt immer noch eindrucksvoll, was so ein System kann.
Dazu kommt eine Entwicklung außerhalb des Films: Windensysteme im Sport nehmen zu. Es gibt sie zum Wakeboarden und zum Anziehen von Skifahrern; ich habe selbst eine Motorwinde. Elektroseilwinden kommen immer häufiger zum Einsatz, etwa um Gleitschirmflieger an einer Stelle nach oben zu schleppen. Wenn sie stark genug sind, ziehen sie eben nicht nur Gegenstände, sondern auch Menschen. Wie sich ein Zugsystem anfühlt, das richtig Tempo macht, steht im Case zum Aircraft Skiing hinter dem Flugzeug.
Was ein Ratchet-Stunt eine Produktion an Aufwand kostet
Das ist die Frage, die Produktionen wirklich interessiert – und die Antwort lautet selten „ein Nachmittag“.
Vorlauf: ein bis zwei Wochen. Nicht, weil das Gerät so lange braucht, sondern weil für einen größeren Ratchet-Stunt geprobt werden muss und die Kapazitäten für die Probe da sein müssen. Das Team muss auch für die Probe einsatzbereit sein.
Aufbau: rund ein halber Tag, wenn schon Rigging-Konstruktion vorhanden ist. Muss neu aufgebaut werden, rechnet man einen Tag Rigging-Aufbau plus einen weiteren Tag Rehearsal ein.
Takes: Ein einzelner Take geht relativ schnell, und mit einer Pressluftflasche lässt sich das System einige Male abfeuern. Nach drei bis vier Takes sollte auf jeden Fall eine Pause gemacht werden – für Mensch und Material.
Parallele Gewerke: Selten läuft ein Ratchet allein. Meistens hängen Explosionen, Pyrotechnik oder Erde dran, die mit Druckluftzylindern hochgeschossen wird. All diese Systeme und die komplette Requisite müssen für jeden einzelnen Take neu vorbereitet werden. Das ist der Posten, der in Zeitplänen am häufigsten unterschätzt wird.
Test und Wartung: Alles gehört ausgiebig getestet, dazu kommt die technische Wartung sämtlicher Geräte.
Konkrete Zahlen zum Budget nenne ich hier bewusst nicht, weil sie komplett vom Setup abhängen. Die Relation lässt sich aber sauber sagen: Ein Ratchet-Stunt ist deutlich teurer als ein normaler Stunt – und wiederum deutlich günstiger als ein größeres Windensystem. Wie sich so ein Aufwand in eine realistische Drehplanung einbetten lässt, steht im Komplettleitfaden zur Planung eines Outdoor-Drehs.
Und die vielleicht wichtigste Information für Produktionen: Ein Ratchet-Stunt gehört ins professionelle Team und sollte nicht leichtfertig angesetzt werden, weil das Verletzungsrisiko hoch ist. Die Alternative sind normale Rigging-Aufbauten, bei denen Stuntleute den Performer händisch ziehen – dort kann auch ein Laie oder ein Model sicher durch die Luft gezogen werden.
Manchmal heißt die Alternative auch: gar nicht draußen drehen. Für eine Werbeproduktion für Lidl habe ich Skiklamotten geshootet – nicht am Berg, sondern in einem Studio in Hamburg, an Seilen mit Ski aufgehängt, während im Hintergrund künstlicher Schnee gesprüht wurde. Für mich als Skiprofi eine seltsame Erfahrung. Aber genau das ist die Alternative, und manchmal wird es so gemacht, weil es günstiger ist.
Vorbereitung: Fitness, Proben und blaue Flecken
Für den Job als Stuntperformer ist körperliche Grundfitness Voraussetzung, nicht Bonus. Ich trainiere regelmäßig im Fitnessstudio und mit eigenen Methoden mit Körpereigengewicht. Weil mir dabei die Tiefenmuskulatur besonders wichtig ist, habe ich mir dafür ein eigenes Trainingsgerät entwickelt: das aufblasbare Trainingskissen BOLSTair – mein eigenes Produkt, entstanden aus genau diesem Bedarf. Tiefenmuskulatur ist nicht nur sportlich relevant: Sie stärkt die inneren Muskeln und schützt die Organe. Und Muskulatur schützt generell – in einem Job, in dem man regelmäßig mit hoher Geschwindigkeit auf Matten landet, ist das keine akademische Überlegung.
Der zweite Teil der Vorbereitung ist das Proben. In der eigenen Trainingshalle in Seeshaupt am Starnberger See – eine große Halle mit viel Matten und Equipment – lässt sich jede Szene vor einem Dreh nachstellen. Genau das siehst du im Reel weiter oben in diesem Artikel: Trainings- und Timing-Proben in dieser Halle. Ratchet-Stunts setze ich gemeinsam mit den Stuntkollegen von Face Off um, und weil vorher immer sehr viel geprobt wird, ist noch nie etwas schiefgegangen.
Blaue Flecken passieren trotzdem. Wenn du eine Explosion realistisch nachspielst, muss es realistisch aussehen – und das tut auch weh. Man landet zwar auf Matten, aber bei vielen Proben hintereinander ist es entscheidend, sich fit zu halten und sich vor jeder Probe und jedem Einsatz aufzuwärmen.
Was ein Auftraggeber daraus mitnimmt
Ein Ratchet-Stunt ist kein Mut-Thema, sondern ein Technik- und Vertrauensthema. Er liefert exakt das Bild, das eine Explosion im Film erzeugen soll – fünf bis zehn Meter, in Echtzeit, im Bruchteil einer Sekunde –, und er liefert es reproduzierbar, wenn Vorlauf, Probe und Team stimmen.
Was ich als Performer mitbringe, ist Erfahrung in diesem Bereich: die Umsetzung gemeinsam mit den Stuntkollegen von Face Off, das Vorproben jeder Szene in der eigenen Halle und die Fähigkeit, im entscheidenden Moment locker zu bleiben statt zu reagieren. Dazu kommt die Einschätzung, wann ein Ratchet die richtige Wahl ist – und wann ein einfacher Rigging-Aufbau denselben Shot sicherer und günstiger liefert.
Sie planen eine Szene mit Explosion, Anfahrunfall, Treffer oder Sturz – oder eine Showeinlage auf einer Bühne, im Zirkus oder in der Akrobatik? Buchungsanfrage senden.
FAQ
Was ist ein Ratchet-Stunt?
Ein Ratchet-Stunt ist ein Stunt, bei dem ein Performer über ein Dyneema-Seil und ein Ganzkörper-Gurtzeug an einem Druckluftzylinder hängt und per Knopfdruck mit sehr hoher Kraft weggerissen wird. Im Film simuliert das vor allem Explosionen, Anfahrunfälle, Treffer und Stürze.
Was ist der Unterschied zwischen Air Ratchet und Ratchet Pull?
Air Ratchet ist das Gerät – der druckluftbetriebene Zug, der nach hinten, nach oben oder zur Seite ziehen kann. Ratchet Pull beschreibt den Vorgang, also den Moment, in dem der Performer weggerissen wird.
Wie weit und wie schnell wird man bei einem Ratchet Pull gezogen?
Typisch sind fünf bis zehn Meter, gefilmt in Echtzeit und im Bruchteil einer Sekunde vorbei. Im Abschlussmoment fühlt sich das für mich nach 50 bis 80 km/h an – das ist meine persönliche Wahrnehmung und kein gemessener Wert. Soll es deutlich weiter gehen, braucht es ein Windensystem.
Was ist beim Ratchet-Stunt am gefährlichsten?
Durchhang im Seil. Das Seil muss vor dem Auslösen komplett auf Spannung stehen. Reißt ein Ratchet mit voller Kraft in ein durchhängendes Seil, wirkt der Zug als Schlag statt als Zug – und das bricht Knochen.
Wie viel Vorlauf braucht eine Produktion für einen Ratchet-Stunt?
Ein bis zwei Wochen. Dazu ein halber Tag Aufbau bei vorhandenem Rigging, sonst ein Tag Rigging plus ein Tag Rehearsal. Nach drei bis vier Takes gehört eine Pause eingeplant, und parallel laufende Effekte müssen für jeden Take neu vorbereitet werden.
Kann ein Model oder ein Laie einen Ratchet-Stunt machen?
Nein. Ein Ratchet gehört ins professionelle Team, das Verletzungsrisiko ist zu hoch. Für Laien und Models gibt es normale Rigging-Aufbauten, bei denen Stuntleute den Performer händisch über Flaschenzüge ziehen – deutlich langsamer, dafür sauber dosierbar.
Weiterlesen: Sport-Double oder Stunt-Double?
Ein Ratchet ist das Extremende der Skala – ein Stunt, der mit keiner Sportart mehr etwas zu tun hat. Wo im normalen Produktionsalltag die Grenze zwischen Sport-Double und Stunt-Double verläuft, was die getrennte Buchung kostet und warum ein Gesicht meist günstiger ist als Model plus Double, steht in diesem Artikel.
Wer am Ratchet was macht
Ein Ratchet wird nie von einer Person allein bedient. Der Rigger baut den Aufbau, der Koordinator entscheidet, ob gefahren wird, und gibt das Signal, der Performer fährt, und ein Safety schaut von außen auf das Ganze. Wer genau wofür zuständig ist — und wer wen bucht und abrechnet — steht Rolle für Rolle in Wer ist wer am Stunt-Set.
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