Kalte Füße: der Rollstuhl-Stunt auf Eis
Einen umgebauten Rollstuhl hinter einem Auto her über eine zugefrorene Straße auf einen Kicker lenken: wie der Ski-Stunt in „Kalte Füße“ wirklich entstand — und warum Vertrauen in Rigger Bastian Volkmer alles entschied.
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Tobi Deckert
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6 Minuten
Wie ein Rollstuhl zum Stunt-Gerät wird
Der Job kam mal wieder über meine Stuntagentur Face Off zustande: Weil einige Stunts auf Ski passierten, wurde ich als Ski-Experte ins Team geholt. Als ich hörte, dass wir mit einem Rollstuhl eine zugefrorene Straße hinunterfahren, konnte ich mir das sofort vorstellen — und hatte direkt im Kopf, was es dafür braucht: kurze Ski, damit ich die Reifen des Rollstuhls nicht berühre und trotzdem hinten an den Henkeln lenken kann.

Bob-Bremsen statt Scheibenbremsen
Gesteuert habe ich durch Neigen nach rechts und links. Bastian Volkmer hatte zwei separate Bremsgriffe angeschweißt — wie bei einem Bobschlitten: Er konnte im Notfall separat ziehen, Geschwindigkeit rausnehmen und die Situation entschärfen. Gleichzeitig hatte er die Scheibenbremsen ausgebaut, weil sie im Schnee ohnehin keine Wirkung hatten und nur unnötig Gewicht gebracht hätten. Genau dieses technische Mitdenken ist es, was einen guten Stunt sicher macht — nicht der Mut.
Echtes Auto, Russian Arm, Octocopter — und ein Kicker
Das Ganze sollte echt sein: Wir fuhren einem echten Auto hinterher, mit mehreren Kameras und in mehreren Takes — einem Wagen mit Russian Arm — einem Kamerakran auf dem Autodach — und einer großen Kameradrohne (Octocopter). Und ich musste präzise lenken, denn in der finalen Szene hatten wir einen Kicker gebaut, den ich mit hoher Geschwindigkeit genau treffen musste — mit genug Schwung, um durch die Luft zu fliegen, aber ohne uns beim Sturz zu verletzen. In der Luft brauchten wir die Möglichkeit, alles von uns wegzustoßen, ohne dass man es im Film sieht.

Beim Schnee hat Filmservice Petters mit Wolfgang „Wolfi" Petters einen großen Dienst geleistet: Transport, Quad-Anhänger und LKWs mit Schneeladungen. Der Kicker bekam eine Holzplatte als Unterlage, damit er bei wechselndem Wetter stabil blieb, die Umgebung wurde mit der Schneefräse präpariert und die Landung weich gehalten. Ein Profi-Kniff kam von Fuzzy Garhammer: eine kleine Schneewand auf den Kicker bauen, damit der Schnee beim Drüberfliegen noch mehr spritzt. Nach ein paar Probeläufen saß alles — und wir hatten die Szene beim ersten Take perfekt im Kasten.
Vertrauen — umgekehrt zum Trautmann-Stunt
Beim Ratchet-Stunt für „Trautmann" habe ich mein Leben in Bastians Hände gelegt, als er die Ratchet auslöste. Hier war es genau umgekehrt: Bastian saß im Rollstuhl, und ich habe ihn gesteuert. Wir kennen und vertrauen uns seit vielen Jahren — er erkennt meine Ski-Skills, ich seine technischen Skills. Durch viele Trainings im Vorfeld auf der Straße, unter verschiedenen Bedingungen, konnten wir uns langsam rantasten. Bastian doubelte Heiner Lauterbach, der im Film nach einem Schlaganfall gelähmt ist und nur mit dem Gewehr schießen kann. Die lauten Schüsse und der Knall waren für mich eine zusätzliche Ablenkung — und auf uns wurde ja auch geschossen (mit Platzpatronen), gewisse Szenen mussten passend gedreht werden, etwa die eingeschossene Rückscheibe. Am echten Drehort war zudem ein steiler Abhang: Ich konzentrierte mich nur auf die gefährlichen Kurven samt Geschwindigkeit, Bastian auf die Gewehr-Action. Bei einigen Minusgraden war es wichtig, sich zwischendrin warm zu halten — Konzentration ist bei so einem Stunt alles.
Zwei Schauspieler, die genau das Gegenteil können
Am lustigsten war die Ironie mit dem echten Können: Emilio Sakraya kann im Film nicht Ski fahren, in echt aber sehr wohl — und Sonja Gerhardt kann es im Film gut, in echt aber nicht. Beide mussten also gedoubelt werden. Genau das ist der Kern, den ich auch im Artikel Agentur oder direkt? beschreibe: Look und echtes Können sind zwei völlig verschiedene Dinge. Spannend auch: Sonja durfte als Hauptdarstellerin ihre Stunts nicht selbst machen, obwohl sie gut Ski fährt — die Verletzungsgefahr wäre zu groß gewesen, und ein verletzter Star legt den ganzen Dreh lahm. Wie man dieses Risiko sauber kalkuliert, steht in der Risiko-Matrix.

Maske, Nacht und Tiefschnee
Mit Emilio hatte ich weitere Szenen — Huckepack-Skifahren, gegen einen Baum fahren und mehr, alles Routine. Eine Ski-Fahrt in der Nacht im Tiefschnee sollte möglichst realistisch rüberkommen; das hat mit dem Kamerateam richtig Spaß gemacht. Und ja — als Stunt-Double wird man in der Maske immer wieder passend hergerichtet, damit man vom Schauspieler nicht zu unterscheiden ist.

Was ein Auftraggeber mitnimmt
Für Booker ist die Botschaft klar: Ich kann nicht nur gut Ski fahren, sondern genau das vor der Kamera abliefern, was das Drehbuch verlangt — und das ist oft kein normales Skifahren. Nachts im Tiefschnee gegen einen Baum zu fahren hat nichts damit zu tun, wie sauber man auf der Piste carvt. Es ist eine Mischung aus Ski-Skill und Stunt-Handwerk: Skifahren ist die Grundvoraussetzung, das Stürzen und das technische Know-how kommen obendrauf — genau wie ich es in der Übersicht Diese Sportarten fahre ich vor der Kamera beschreibe. Echte, sichere Stürze ohne CGI-Bruch sind auch der Kern meines Eddie-the-Eagle-Einsatzes. Sie planen eine Action- oder Winter-Produktion? Buchungsanfrage senden — Credits auf IMDb.
FAQ
Was war Tobi Deckerts Rolle bei „Kalte Füße"?
Ski-Stunt-Double für Emilio Sakraya — unter anderem im umgebauten Rollstuhl, der auf einer zugefrorenen Straße hinter einem Auto herfährt, und bei Ski-Szenen wie einer Nacht-Tiefschnee-Fahrt.
Wie wird ein Rollstuhl-Stunt auf Eis abgesichert?
Über Training, kurze Ski zum Lenken und Technik am Gerät: angeschweißte Bob-Bremsgriffe zum separaten Verzögern, ausgebaute Scheibenbremsen (im Schnee wirkungslos) und einen weich präparierten Kicker mit Holzunterlage.
Warum werden Schauspieler gedoubelt, die selbst Ski fahren können?
Weil das Verletzungsrisiko den ganzen Dreh gefährdet — und weil script-genaue Action (nachts, Tiefschnee, gegen einen Baum) Stunt-Handwerk ist, nicht normales Skifahren.
Fakten zum Projekt
Film | Kalte Füße (2019) · Regie: Wolfgang Groos |
Meine Rolle | Ski-Stunt-Double für Emilio Sakraya |
Besetzung | Heiner Lauterbach · Emilio Sakraya · Sonja Gerhardt |
Crew | Face Off Stunts & Rigging (Bastian Volkmer) · Filmservice Petters (Schnee) · Fuzzy Garhammer |
Credits |
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