Trautmann: Ratchet-Stunt & Explosionen – warum Timing alles ist
Von einer Explosion durch die Luft gerissen – kontrolliert: wie eine Ratchet funktioniert, warum Slack in der Leine lebensgefährlich ist und weshalb Vertrauen in Rigger wie Bastian Volkmer alles entscheidet.
Written by
Tobi Deckert
Reading Time
5 Minuten
Was eine Ratchet ist
Für den Film „Trautmann" wurde ich von einer Explosion durch die Luft gerissen – kontrolliert, mit einem der gängigsten Verfahren im Stuntbereich: der Ratchet. Das ist eine Vorrichtung mit Druckluftflasche und Zylinder, der in sehr kurzer Zeit mit hoher Kraft zieht. Der Zylinder hängt an einem Seil mit mehreren Umlenkrollen – Flaschenzug-Prinzip: kurzer Zylinderweg, aber ein sehr langer, sehr schneller Zug am Seil. Der Performer ist über einen Brustgurt hinten an der Leine eingehängt und wird nach hinten gerissen.

Timing ist alles – und kann lebensgefährlich sein
Das Entscheidende ist das Timing. Die Leine darf keinen Slack haben, kein Durchhängen: Hätte sie Lose, würde sie mit viel zu großer Wucht am Brustkorb reißen und könnte alle Brustwirbel brechen. Deshalb ist die Absprache mit dem Koordinator, der die Ratchet auslöst, überlebenswichtig – und die Szene muss im Zusammenspiel mit den Explosions-Effekten exakt geplant sein.
Der Ablauf: Ich laufe nach vorne; es gibt den einen Moment, in dem die Leine auf Spannung ist – dann zündet die Explosion, und genau in diesem Moment löst die Ratchet aus und reißt mich über mehrere Meter nach hinten. Je stärker man beim einsetzenden Zug abspringt, desto weiter fliegt man. Damit es echt aussieht, bleibt der Körper ruhig und die Muskeln entspannt – man wird ja von der Explosion weggerissen. Im Hintergrund liegen Matten, die im Film über den Schnitt verschwinden.
Vorbereitung bei Face Off – und Erde aus der Druckluft
Geprobt haben wir im Trockensetup bei Face Off am Starnberger See – die Crew hat eine eigene Halle für solche Tests. Viele Rehearsals, bis wir dem Regisseur verschiedene Varianten anbieten konnten: Winkel, Bewegungen, Explosionen. Wichtig ist das Zusammenspiel mit dem Special-Effects-Team: Zylinderförmige Blechbehälter werden mit Erde gefüllt; über Ventil und Druckluft wird die Erde wie bei einer echten Explosion durch die Luft gefeuert – das sieht extrem realistisch aus. Das Reel weiter oben im Artikel zeigt genau diese Trainings- und Timing-Proben.

Der echte Take
Weil so oft und mit eingespieltem Team geprobt wurde, lief der Dreh routiniert – kein Patzer, und den durfte es auch nicht geben. Genau das ist die Botschaft: Ein perfekter Stunt sieht spektakulär aus, ist in Wahrheit aber durchgeplant und sicher. Der Moment, geräuschlos durch die Luft gerissen zu werden und kurz schwerelos zu sein, ist fantastisch – aber nur, wenn man dem Team blind vertrauen kann. Wie dieses Risiko sauber kalkuliert wird, zeigt die Risiko-Matrix.

Vertrauen hat einen Namen: Bastian Volkmer
In dem Fall heißt Vertrauen Bastian Volkmer – einer der Technik-Gurus im Face-Off-Team, ein herausragender Stunt-Performer mit enormem technischem Know-how und unzähligen selbstgebauten Vorrichtungen. Für „Aquaman" hat er eine Metallkonstruktion geschweißt, auf die Jason Momoa geschnallt wurde, um Unterwasserbewegungen zu drehen.
Mit Bastian hatte ich viele Drehs – unter anderem „Kalte Füße" mit Emilio Sakraya und Heiner Lauterbach: Bastian doubelte Lauterbach im umgebauten Rollstuhl auf einer zugefrorenen Straße, ich doubelte Sakraya auf Ski hinterher. Da lag umgekehrt sein Vertrauen in meinen Händen. So baut sich über Jahre eine echte Vertrauensbasis auf – keinem anderen würde ich eine Ratchet-Szene lieber anvertrauen. Von Bastian habe ich auch den Highsider gelernt, einen Sturz seitlich über ein Hindernis. Und ganz nebenbei: Der Mann hat ein Helikoptertriebwerk in der Garage seiner Mutter stehen, an dem er am Wochenende schraubt. Wer solche Hobbys hat, versteht Technik.
Was ein Auftraggeber daraus mitnimmt
Ratchet, Explosion, Rollstuhl auf Eis – spektakuläre Bilder entstehen nicht durch Mut, sondern durch Proben, Technik und ein eingespieltes Team. Genau diese Kombination bringe ich als Sportmodel mit Stunt-Hintergrund an jedes Set, auch abseits von Filmproduktionen. Vergleichbar lief es beim Eddie-the-Eagle-Dreh. Credits: IMDb – Tobi Deckert. Buchungsanfrage senden.
FAQ
Wie wird eine Explosions-Szene mit Person gedreht?
Mit einer Ratchet: Druckluftzylinder plus Flaschenzug reißen den Performer am Brustgurt exakt im Explosionsmoment nach hinten. Die Explosion selbst ist meist Erde, die per Druckluft gefeuert wird.
Was ist das größte Risiko bei einem Ratchet-Stunt?
Slack in der Leine: Hängt sie durch, reißt der Zug mit voller Wucht am Brustkorb an – deshalb sind Timing und die Absprache mit dem Auslöser überlebenswichtig.
Wie lange wird für so eine Szene geprobt?
Deutlich länger als gedreht: viele Rehearsals im Trockensetup, bis mehrere Varianten sicher sitzen – der echte Take läuft dann routiniert und ohne Patzer.
Fakten zum Projekt
Film | Trautmann (2018) |
Stunt | Ratchet-Zug in Kriegsszene mit Explosions-SFX |
Crew | Face Off Stunts & Rigging · Rigging: Bastian Volkmer |
Verwandte Drehs | Kalte Füße (2019) · Eddie the Eagle (2016) |
Credits |
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Weiterlesen: wie ein Ratchet funktioniert
Dieser Case zeigt einen Ratchet-Stunt in der Praxis. Wenn du den technischen Hintergrund willst – Air Ratchet und Ratchet Pull, der Flaschenzug hinter dem Zylinder, die Anbindepunkte am Gurtzeug, die Zahlen und der Vorlauf für eine Produktion –, steht alles im Erklärartikel Was ist ein Ratchet-Stunt?.
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